Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 24. (1971)

SCHMID, Georg E.: Die Coolidge-Mission in Österreich 1919. Zur Österreichpolitik der USA während der Pariser Friedenskonferenz

Die Coolidge-Mission in Österreich 1919 453 Kärntner Vertreter aber „erklären die Räumung als conditio sine qua non und wollen die Waffenruhe abbrechen und Völkermarkt mit Gewalt nehmen“73). Vertraulich fügte Hoffinger hinzu, daß der Landesbefehls­haber — ebenso wie er, Hoffinger, selbst — Bedenken hätte, daß er „gegen die kriegerischen Zivilvertreter nicht [durchkäme]“74). Die Verhandlungen aber, so meinte Hoffinger weiter, dürften sich an der Frage von Völkermarkt nicht totlaufen, zumal in praktisch allen anderen Punkten Übereinstimmung herrschte. Im übrigen fügte er noch hinzu: „Slowenische militärische Delegierte sind eher konziliant“ 75 *). Am gleichen Nachmittag noch verschlechterte sich einer weiteren Telephondepesche Hof fingers zufolge die Situation erneut, da die jugo­slawische Delegation nach einer Rücksprache mit Laibach vorgeschlagen hatte, die Ententemächte sollten von beiden Parteien gebeten werden, die strittigen Gebiete zu besetzen. Bis zum Eintreffen der Ententetruppen sollten alle von den Südslawen gehaltenen Stellungen in ihrer Hand ver­bleiben 7l1). Der österreichische Gegenvorschlag machte sich wohl den Ge­danken einer Besetzung zum Teil zu eigen, verlangte jedoch einen Rück­zug der jugoslawischen Truppen hinter die Drau innerhalb von drei Ta­gen. „Zu diesem Vorschlag“ — depeschierte Hoffinger — „sollen sich die Slowenen bis 7 Uhr abends äußern. Im Falle ihrer Ablehnung würden die Kärntner Vertreter die Verhandlungen abbrechen und Graz verlas­sen“ 77). Differenzen bestanden laut Hoffinger beim Problem der Räu­mung Völkermarkts, der Ratifizierung und Kündbarkeit des Vertrags innerhalb kurzer Fristen und dem Ausschluß der Serben als Ententetrup­pen. Er bemühe sich jedenfalls, so Hoffinger weiter, die Kärntner Abge­ordneten zu einer „entgegenkommenden Haltung zu bewegen“78). Die Lage verschlechterte sich in der Folge noch mehr79), und es schien, als sollten alle Bemühungen umsonst sein und die blutigen Kämpfe würden ihren Fortgang nehmen. In dieser kritischen Phase griff dann Miles ein. Sein Image von Kompe­tenz und Macht ermöglichte schließlich das Zustandekommen einer Über­einkunft, über die von Hof finger folgendes berichtet wurde: 73) Telephondepesche Konsul Hoffingers an das Staatsamt des Äußeren, Graz, 1919 Jänner 18: HHStA NP A 800. 74) Ebenda. 75) Ebenda. 76) Weitere Telephondepesche Hoffingers vom gleichen Tage: ebenda. 77) Ebenda. 78) Ebenda. Vgl. auch „Niederschrift über die Verhandlungen ...“ von Hoff inger (fol. 223—224) ohne Datums- oder sonstige nähere Angaben: ebenda. 79) Schließlich konnte aber Hoffinger — die Ereignisse überstürzten sich der­art, daß die Berichterstattung quasi rein chronologisch nicht mitkam — dann doch noch berichten, eine Chance für ein Übereinkommen sei vorhanden: Tele­phondepesche Hoffingers an das Staatsamt des Äußeren, Graz, 1919 Jänner 19: ebenda.

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