Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 24. (1971)
THOMAS, Christiane: Kampf um die Weidenburg. Habsburg, Cilli und Görz 1440–1445
28 Christiane Thomas stimmt, so ist dies für Ulrich immer noch zu wenig. Sein Mißtrauen gegen Heinrich oder ebenso das Gefühl seiner Machtfülle erzwingen eine neue Demütigung des Görzers. Keinen Tag länger darf Hans in der Umgebung des Vaters verweilen — keine Silbe davon, daß das Kind eventuell der Mutter anvertraut wird. Zur besseren Sicherheit wird es der Obhut des Hauptmanns von Lienz, Hans Fresacher * 138), überlassen, der es seinerseits an einem der bezeichneten Zeitpunkte an Ulrich abtreten wird. Über den Aufenthalt des jüngeren Ludwig wird geschwiegen. Gleichzeitig werden die görzischen Burggrafen angewiesen, einer Überantwortung ihrer Schlösser an den Verweser zu gehorchen: Die Niederlage Heinrichs ist vollkommen. Niemand wird leugnen, daß die Cillier den Schock, den ihnen nach ihrem Erfolg von 1437 die zweite Heirat Heinrichs bereitet hatte, überwunden und sich den gewandelten Gegebenheiten angepaßt hatten. Darüber hinaus brachten ihnen die letzten Monate des Jahres 1443 ein Anwachsen ihres Machtbereiches, das ihnen die Einflußstufe von 1437 nie eingeräumt hatte. Was ab 1438 als Minderung ihrer Interventionsmöglichkeit anzu sehen war — nämlich die Mitsprache einer zweiten Frau — hatte sich zum überwältigenden Triumph für sie gestaltet. Der lachende Dritte im Streit der Ehegatten hieß Ulrich von Cilli. Katharinas Unterfangen hatte nur eine Steigerung der Autorität dieses Dritten bewirkt, der sich unwidersprochen diese kühne Handlungsweise vielleicht auch deshalb gestatten durfte, -weil er sich im Sommer mit Friedrich IV. arrangiert hatte139). Hätte nicht Heinrichs Nachlässigkeit in der Erfüllung seiner finanziellen Verpflichtungen gegenüber Katharina die Ehekrise heraufbeschworen, hätte Ulrich nicht die Uneinigkeit des Paares zum Vorteil für sich wenden können. Der erste Ehestreit hatte der Gräfin nichts eingebracht — der Gewinn ging an den federführenden Mittler der Eheeinigung, der ohne Einspruch Georgs von Brixen oder der f rideri dänischen Räte Ungnad und Himmelberger diktierte, ja, Heinrich wie einem Untergebenen befahl. Es ist rührend naiv, wenn Czoernig behauptet, die rohen Sitten befähigten Heinrich nicht zur Erziehung seiner Kinder; deshalb spränge der Cillier ein. Hier rächt sich der kritiklose Glaube an die Schmähungen Aeneas’. Aus Anekdoten über Alkoholismus, denen man unbedingte Wahrheit zuerkennt, die aber unter dem Blickwinkel der antigörzischen Gesinnung ihres Autors konzipiert wurden, wird gefolgert, daß man einem bildungslosen Vater die Söhne ent188) Über ihn und das Geschlecht derer von Fresach siehe Walther Fresacher Das Geschlecht derer von Fresach in Neues aus Alt-Villach (4. Jahrbuch des Museums der Stadt Villach 1967) 185—216. 189) w u 11 e Zur Geschichte 48; C u s i n Confine 2, 7; Wiesflecker Entwicklung 359.