Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 24. (1971)
THOMAS, Christiane: Kampf um die Weidenburg. Habsburg, Cilli und Görz 1440–1445
Kampf um die Weidenburg 17 Wir wissen nur wenig von der gebürtigen Ungarin84), die von der ernstzunehmenden Literatur übereinstimmend als Katharina von Gara identifiziert wird8äs). Lediglich Hermann86) greift Unrests Bemerkung „ir (sc. Johanns und Leonhards) mueter was genannt fraw Kathrein, aine auss der Massa von Polan, des kaysers nagste muem“ 87 88) auf, um verständlich zu machen, daß sie als Masowierin am besten bei Friedrich IV. Zuflucht finden konnte. Der Vorname Katharina, der auch in der Familie der Cillier gebräuchlich ist, führt allerdings zu einigen Verwechslungen. Bei Lazius 8S) ist Katharina (statt Elisabeth) die Tochter Hermanns II. von Cilli, und Leicht89) verquickt gleich mehrere Fehler zu der Feststellung, daß der Bruder Katharinas von Cilli, der Gattin Heinrichs, nämlich Heinrich von Cilli, mit der Erziehung ihrer Söhne beauftragt war 90). Als Tochter des ungarischen Palatins Nikolaus von Gara und seiner Frau Anna von Cilli ist sie nicht nur eine nahe Verwandte Ulrichs II. von Cilli (seine Kusine), sondern auch ihres Gatten, Graf Heinrich IV. (seine Nichte), der in erster Ehe eine Schwester ihrer Mutter, Elisabeth, geheiratet hatte91). Dies ruft zunächst den Gedanken an einen beträchtlichen Altersunterschied wach, der wohl 40 Jahre, wenn nicht mehr, betragen haben dürfte92). Aeneas scheut sich nicht, diesen Kontrast anzudeuten, wenn 84) Als Ungarin bezeichnet sie Aeneas in beiden Abschnitten seiner Charakteristik Heinrichs: Der Graf hat zwei Söhne „ex uxore Hungarica“ (Aeneas Commentarius 10) und „huic (sc. Heinrico) uxor natione Hungara“ (Aeneas ln Europam 262). Von Aeneas übernimmt Lazius De gentium 174 die ungarische Abstammung, vermählt Katharina aber mit dem (palatinus Carnorum) „Udalricus primus“. 85) Coronini Tentamen 218: Antonini II Friuli orientale 261; Czoernig Görz 561; Teuffenbach Kurzer Abriß 38; Cusin Aspira- zioni 89; Wiesflecker Entwicklung 359; Weingartner Die letzten Grafen 114; Franz Babinger Le estreme vicende di Paola di Gonzaga, ultima contessa di Gorizia in Studi Goriziani 20 (1956) 5; Gotbert Moro Weidenburg in Handbuch der historischen Stätten. Österreich 2 (Alpenländer mit Südtirol hg. von Franz Hüter, Stuttgart 1966) 313. Bei F. R. von W i e s e r Die angebliche erste Gemahlin des Grafen Leonhard von Görz in Zeitschrift des Ferdinandeums III/55 (1911) 5 das Wappen der Garas: eine gekrönte Schlange mit einem Apfel im Mund. 8«) Hermann Handbuch 161. 87) Jakob U n r e s t Österreichische Chronik hg. von Karl Großmann (MGH SS Rer. Germ.. N. S. 11, Weimar 1957) 11. 88) Lazius De gentium 174. 8») Pier Silverio Leicht Sommario della storia del Goriziano (Guida del Friuli 5, Gorizia-Udine 1930) 118. 90) Hiemit ist Ulrich von Cilli gemeint, ein angeheirateter Neffe des Gör- zers. 91) Die Verwandschaftsverhältnisse bei Kr on es Graf Hermann 120: W i e s e r Gemahlin 14; Cusin Confine 2. Tafel II des Anhangs. 92) Siehe unten S. 19. Mitteilungen, Band 24 2