Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 23. (1970)

NECK, Rudolf: Sammelreferat. Zeitgeschichte

Rezensionen 409 In der Note Stalins vom 10. März 1952 lag die letzte Möglichkeit zur Umkehr. Sch. meint, daß Adenauers Eintreten für die supranationale Streitmacht Europas, die 1954 im Pariser Parlament scheitern sollte, von einem Konzept bestimmt war, dem die Wiedervereinigung grundsätzlich nicht als Hauptziel vorschwebte. Der deutsche Bundeskanzler dürfte über­haupt die Politik der Stärke nicht ernst gemeint haben, sondern nur als taktisches Hilfsmittel in der Argumentation. Der Vf. läßt sogar offen, ob Adenauer überhaupt jemals im Ernst an die Wiedervereinigung geglaubt und gedacht hat. Jedenfalls haben sich heute, aus der historischen Rück­schau, die Einwände der Opposition bestätigt. Insofern ist das Ergebnis lehrreich für ein Grenzgebiet der Zeitgeschichte und der Politikwissen­schaft. Darüber hinaus ist die Arbeit auch in methodischer Hinsicht bemerkenswert. Sch. konnte nicht nur das zahlreiche publizierte Material verwenden, sondern hatte auch Einblick in gesperrte Akten, etwa des Am­tes Blank, die er nicht zitieren konnte, aber doch als Hintergrundmaterial verwendete; in der Regel diente es ihm offensichtlich zur Verifizierung des Publizierten. Am Beispiel dieser Arbeit, an der Förderung, die sie erfuhr, an ihrer Methode und an ihren Ergebnissen läßt sich der weite Weg der Zeit­geschichte in den letzten zwanzig Jahren ermessen. Ihre Existenzberech­tigung ist von wissenschaftlichen wie von praktischen Gesichtspunkten aus nicht mehr in Zweifel zu ziehen. REZENSIONEN Quellenwerke Franz Unterkircher, Katalog der datierten Handschriften in lateinischer Schrift in Österreich. Band 1: Die datierten Handschriften der Österreichi­schen Nationalbibliothek bis zum Jahre 1400. (Österreichische Akademie der Wissenschaften, Kommission für Schrift- und Buchwesen.) Hermann Böhlaus Nachf., Wien 1969. Teil 1: Text, 104 S. Teil 2: Tafeln, 268 S. mit 272 Abb. Es ist ein großes Verdienst der Österreichischen Nationalbibliothek, daß sie seit Jahren bemüht ist, ihre Schätze den Interessenten und Be- nützern durch die Herausgabe von Facsimilewerken, beziehungsweise Katalogen, zugänglich zu machen. Einer solchen Editionsaufgabe hat sich nun der langjährige, auch in diesem Bereich verdienstvolle Direktor der Handschriftensammlung Franz Unterkircher wieder mit der Herausgabe des ersten Bandes der datierten Handschriften, reichend bis 1400, unter­zogen. Im Jahre 1953 hat das „Comité International de Paléographie“ gelegentlich seiner Pariser Konferenz beschlossen, einen umfassenden Ka­talog der datierten Handschriften anzulegen, der nach seiner Vollendung zu einem paläographischen Atlas von ganz Europa gestaltet werden soll.

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