Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 23. (1970)

NECK, Rudolf: Sammelreferat. Zeitgeschichte

Sammelreferate 407 im Hinblick auf die Rolle der USA. Der Vfn. standen reichliche Archiv­quellen in Amerika zur Verfügung, sonst stützt sie sich auf die vorhan­denen Akteneditionen, zum Teil auch auf Archivquellen in Klagenfurt, am wenigsten in Wien. Eindringlich werden die Vorbereitungen der USA auf den Frieden in der Kriegszeit geschildert, die sogenannte Inquiry. Für Österreich von Bedeutung wurde die Mission Coolidge, für Kärnten jedoch besonders die Miles-Mission. Von dieser gingen die entscheidenden Impulse aus. K. gewinnt dabei neue Aspekte für die weitere Entwicklung, vor allem weist sie schlüssig nach, daß die Jugoslaven nie über den Bericht Miles informiert wurden, wie immer wieder vermutet wurde. Sie hätten diplomatisch anders taktiert, wenn ihnen der Hinweis auf die Karawankengrenze rechtzeitig bekannt gewesen wäre. Ausführlich werden die diplomatischen Schachzüge besonders in Paris dargestellt. Die Arbeit bedeutet wieder einmal eine Rehabilitierung Wil­sons, zumindest in der Kärntner Frage, wo für ihn der Miles-Bericht die Grundlage bleibt. K. hat uns eine sehr notwendige Studie vorgelegt, die zur Klärung der verwickelten Probleme beitragen könnte, wenn man berücksichtigt, daß ihr Hauptaugenmerk auf die USA gerichtet war. Min­destens ebenso wichtig wäre eine Untersuchung aufgrund des noch ver­schlossenen italienischen Materials. Wie K. richtig bemerkt, hat Italien in Kärnten die Schlacht der Österreicher geschlagen und ihre militärische Präsenz läßt die Italiener letzten Endes nicht weniger ausschlaggebend erscheinen als die Amerikaner. Eine weitere österreichische Dissertation, die von Urbanitsch, be­handelt ein Thema, das der österreichischen Zeitgeschichte weniger nahe steht. Er untersucht die Haltung Englands zu Locarno, vor allem aufgrund der Akten des Deutschen Auswärtigen Amtes und einiger britischer Nach­lässe. Dabei geht er ausführlich auf die allgemeinen Grundlagen und Konzeptionen der englischen Europapolitik ein. England wurzelte noch zu sehr mit seiner Diplomatie im 19. Jahrhundert und war dem neuen Stil nicht immer gewachsen. Dies beweisen auch die Ausführungen über die Organisation des Foreign Office. In einem Sammelband bieten drei hervorragende Sachkenner eine populäre Darstellung der Geschichte der zweiten Republik. Das Buch erschien zum 25. Jubiläum nach der Wiedererrichtung des Staates und ist für die politische Bildung breiterer Kreise gedacht, verfolgt daher auch staatsbürgerliche Zielsetzungen. Am bedeutendsten, nicht nur dem Um­fang nach, scheint mir die Darstellung der politischen Entwicklung durch G u t k a s. Obwohl im Erscheinungsbild und Stil als engagierter Mitleben­der wirkend, genügt sein Beitrag doch allen wissenschaftlichen Ansprü­chen, worauf auch sein ausführliches Literaturverzeichnis hinweist. In seiner umfassenden Darstellung finden auch wirtschaftliche und soziale Fragen wie kirchliche Verhältnisse Platz; dennoch ist es zu begrüßen, daß diese Bereiche eine besondere Bearbeitung gefunden haben. Sehr nützlich ist der Beitrag von Brusatti und Karl Rachinger (letzterer auf dem Titelblatt des Gesamtwerkes nicht genannt) über die Entwicklung der Wirtschaft, der Wirtschafts- und Sozialpolitik der zweiten Republik. Während die Wirtschaftspolitik meist völlig neue Wege geht, konnte die

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