Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 23. (1970)

AUER, Leopold: 19. Stage technique international d'Archives

402 Archivberichte geklärt ist, für die Auswertung aber die Notwendigkeit einer Verfügung über entsprechende Apparaturen, so daß bei jeder technischen Weiterent­wicklung zugleich auch die Apparate aufbewahrt werden müßten, um das bisher Aufgezeichnete in Klarschrift übertragen zu können. Außerdem sind z. B. die Kosten für die zur Datenspeicherung verwendeten Magnetbänder noch so hoch, daß eine mehrmalige Verwendung der Archivierung des ursprünglichen Inhalts vorgezogen wird. Die Verwendung der elektroni­schen Datenspeicherung gibt dem Archivar zwar die Mittel zu einer raschen und umfassenden Dokumentation in die Hand, verlangt aber naturgemäß enge Zusammenarbeit mit technischem Fachpersonal. Sowohl die Betreuung der überkommenen reichen Archivalienbestände, wie auch das Eindringen neuer Materialien in die Archive und die großen, regelmäßig von den einzelnen Behörden erfolgenden Aktenablieferungen haben dazu geführt, daß man in Frankreich dem Neubau von Archiven ein besonderes Augenmerk zuwendet. Über die dabei besonders in den einzelnen Departements gewonnenen Erfahrungen referierte Michel Du­chein, der sich auch in mehreren Publikationen zu diesem Thema geäußert hat7). Drei Bauelemente lassen sich dabei unterscheiden, für die man nach Möglichkeit räumliche Separierung anstrebt: Depots, Arbeitsräume des Personals und Benützerräume. Für die Depots wird leichte Erreich­barkeit zur Benützung durch Archivare und Forscher bei gleichzeitiger Isolierung vom Verwaltungstrakt, Berücksichtigung des Zuwachses und genügender Schutz der Dokumente in Krisensituationen gefordert. Wäh­rend man von unterirdischen Depots wegen der großen Kosten in Frank­reich abgekommen ist, hat man mehrere Versuche mit sogenannten „Archivtürmen“ unternommen (z. B. in Rouen), die als voll gelungen bezeichnet werden können. Mit der Ersparnis an Baugrund verbindet sich leichte Zugänglichkeit zu den Archivalien, sofern eine ausreichende Zahl von Aufzügen vorhanden ist. Büros und Leseräume sind bei diesem System häufig in den obersten Etagen untergebracht, um eine möglichst sinnvolle Gewichtsverteilung zu gewährleisten. Die Räume für die Skartierung und vorläufige Klassierung neu abge­lieferter Akten (salles de triage) können auch den Charakter eigener De­pots (dépőts intermédiaires) annehmen. Man geht immer mehr dazu über solche Depots anzulegen, die einerseits die Verwaltung von ihren Aktenbergen befreien, andererseits für die Skartierung ein Zuwarten er­möglichen und so die Ausscheidung von nachträglich als historisch wert­voll erkannten Archivalien verhindern. In der Cité interministérielle des Archives in Fontainebleau wird ein großes Zwischenarchiv errichtet, das Akten mehrerer Behörden vereinigt. Große Sorgfalt hat man in allen Neubauten auf die für die Öffentlichkeit bestimmten Räumlichkeiten verwendet. Den eigentlichen Benützersälen sind Leseräume für Mikro­filme, Inventare, Vortrags- und Ausstellungsräume angeschlossen. Für die Lesesäle von Archiven in Universitätsstädten ist dabei eine Mindest­fläche von 100 m2 vorgeschrieben. 7) Zusammenfassend M. Duchein Les bdtiments et équipements d’Archi­ves, hg. v. Conseil international d’Archives (Paris 1966).

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