Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 23. (1970)

BENNA, Anna Hedwig: Von der erzherzoglichen Durchlaucht zur kaiserlichen Hoheit. Eine Titelstudie

26 Anna Hedwig Benna kanzlei auf seinen Befehl die Erzherzoge und Erzherzoginnen als geborene königliche ungarische und böhmische Prinzen und Prinzessinnen königliche Hoheit benenne und ihnen in allen Kanzleiausfertigungen statt des bisher üblichen Prädikats durchlauchtig-hochgeborn das Prädikat durchlauchtigst zu­gestehe. Da geborene ungarische Prinzen in keiner Weise dem Reich unterwor­fen seien, stelle eine derartige Kanzleipraxis eine Abmachung von Souverän zu Souverän dar 145). Da die Beratungen der Konferenz vom 12. Oktober 1754, die von Maria Theresia in allen Punkten gebilligt wurden 146), die Annahme des Titels königliche Hoheit empfahlen, konnte es nicht ausbleiben, daß von Kaiser Franz I. in vollkommener Übereinstimmung mit der Kaiserin den Erzherzogen und Erzherzoginnen als zu Ungarn und Böhmen geborenen Prinzen und Prinzessinnen der ihrer königlichen Abstammung und Erb­recht sowohl als auch den ihnen durch das mit den angesehensten euro­päischen Mächten neu errichtete Zeremoniell erwiesenen königlichen Ehrenbezeugungen entsprechendere Titel königliche Hoheit statt Durch­laucht und das Prädikat durchlauchtigst statt des bisherigen durchlauch­tig-hochgeboren verliehen wurden 147). Wie angeordnet, standen den Kin­dern des Kaiserpaares diese Titel und Prädikate bei mündlicher Benen­nung und auch in Zuschriften von Seiten des gesamten kaiserlich-könig­lichen Ministeriums, des Hof- und Militärstaates, in allen schriftlichen Expeditionen der Hofstellen und der in allen Erbkönigreichen und Län­dern nachgesetzten Stellen zu14S). Der Kaiser, der zwar, wie Kheven- hüller wissen wollte, „nicht darzue incliniret und es nach seinen für die Neuigkeiten allenthalben nicht portirten Génié lieber bei den alten Brauch gelassen hätte“ 149), ließ die Titulaturen in den Titulaturbüchern * * us) Ebenda 470—471. *46) Ebenda 475. I4<) HHStA Ministerium des kaiserlichen Hauses Titel und Wappen Kart. 1: Dekret des Obersthofmeisters Ulfeld an Reichsvizekanzler Colloredo, 1755 März 29; vgl. Hauke Geschichtliche Grundlage des Monarchenrechts 93. >48) HHStA Ältere Zeremonialakten Kart. 50: Dekrete an Oberstkämmerer, an zweiten Obersthofmeister, an Oberststallmeister, an Ayo Batthyány, an Hofkriegsratspräsidenten, Hofkammerpräsidenten, an Präsidenten der Obersten Justizstelle, an Präsidenten der Ministerialbancodeputation und des Kommerz­direktoriums, an den Präsidenten der Militärinvalidenkommission, an den Siebenbürgischen Hofkanzler, an den Hof- und Staatskanzler, an den Obersten Kanzler, an den Präsidenten des Niederländischen und des Italienischen Rates, an den Reichsvizekanzler, an den Reichshofratspräsidenten, 1755 März 29 (Konzepte); vgl. Khevenhüller-Schlitter Tagebücher Khevenhüller Jg. 1752—55, 232. 14fl) Khevenhüller-Schlitter Tagebücher Khevenhüller Jg. 1752 bis 55, 233; vgl. dazu das Votum des Kaisers in der Konferenz vom 12. Oktober 1754 (Ministerium des kaiserlichen Hauses Titel und Wappen Kart. 1, Proto­koll der Konferenz vom 12. Oktober 1754: k. m.: ob nicht k. hoheit, weilen durchlaucht will gemein werden). Kaiser Franz I. gewährte die von Reichsvize­kanzler Colloredo angeregte Verleihung des Prädikats durchlauchtigst für seinen Bruder Herzog Karl von Lothringen und dessen künftige Deszendenz oder

Next

/
Thumbnails
Contents