Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 23. (1970)
BENNA, Anna Hedwig: Von der erzherzoglichen Durchlaucht zur kaiserlichen Hoheit. Eine Titelstudie
24 Anna Hedwig Benna licher Anschauungen durch Hausnormen, wie etwa das Testament Ferdinands II., auf kommende Richtung auf die Primogenturerbfolge hin lss) ein. Im Gegensatz zu früheren Jahrhunderten, in denen der Älteste nichts vor den Jüngeren voraus hatte, gab es nun regierende und apanagierte Prinzen. Die Nichtregierenden führten wohl den ganzen väterlichen Titel und ihre Siegel enthielten alle Wappen, auch die der Königreiche Böhmen und Ungarn, und doch nannten sie sich nicht königliche Prinzen 133 I34). Auf eine Anregung Kaunitz hin, der die Entscheidung Maria Theresias, nur dem ältesten Erzherzog als königlichem Erbprinzen, nicht aber den Nachgeborenen die königliche Hoheit beizulegen, als inkonsequent und vor allem dem neuen von den auswärtigen Mächten widerspruchslos angenommenen Zeremoniell königlicher Kinder widersprechend betrachtete 135), wurde von dem gleichen Personenkreis, der sich einige Monate zuvor mit der Frage königliche Hoheit oder erzherzogliche Durchlaucht im Aufträge des Kaisers befaßt hatte, der Vorschlag, allen Erzherzogen und Erzherzoginnen den Titel königliche Hoheit beizulegen, geprüft136). In den Beratungen, die darüber am 12. Oktober 1754 im Spiegelzimmer der Hofburg vor sich gingen137), herrschte völlige Übereinstimmung aller Teilnehmer darüber, daß in Zukunft den Erzherzogen und Erzherzoginnen der Titel königliche Hoheit statt wie bisher erzherzogliche Durchlaucht beizulegen sei. Die Frage wurde mit Rücksicht auf die Abstammung der Kinder Maria Theresias bejaht138 *). Nur bei Beratung der Frage, ob es ratsamer sei, den Titel königliche Hoheit beizulegen, schieden sich die Geister. 133) Vgl. Franz Hauke Die geschichtlichen Grundlagen des Monarchenrechts (Wien 1894) 62 f; Turba Pragmatische Sanktion mit besonderer Rücksicht auf die Länder der Stephanskrone 3 Anm. 2. 134) HHStA Ministerium des kaiserlichen Hauses Titel und Wappen Kar. 1, Konvolut 1753—56, Denkschrift mit Incipit: „Die Titulaturen der sämtlichen ertzhertzogen betreffend wird bemerkt“; Ältere Zeremonialakten Kart. 53, Akten über die Errichtung eines Hofstaats für Erzherzog Joseph: Nota s. d., Beilagen (Titel der Erzherzoge Maximilian gest. 1620, Leopold Wilhelm gest. 1662, Ferdinand Karl gest. 1663). 135) HHStA StK Vorträge Kart. 75: Vortrag Kaunitz an Maria Theresia, 1754 Oktober 10. is«) HHStA StK Vorträge Kart. 75: Vortrag Kaunitz an Maria Theresia 1754 Oktober 17 (Abschrift: Ältere Zeremonialakten Kart. 49; Kurrentakten ZI. 2/1758). Vgl. Khevenhüller-Schlitter Tagebücher Khevenhüller Jg. 1752—55, 466—75. 137) HHStA StK Vorträge Kart. 75: Eigenhändige Resolution Maria Theresias auf Vortrag Kaunitz, 1754 Oktober 10: „Ihro mayestät kaiser approbieren, das an sambstag in der statt die conferenz halte und alle diese puncten kan ausmachen“. Vgl. Khevenhüller-Schlitter Tagebücher Khevenhüller Jg. 1752—55, 203. 138) Khevenhüller-Schlitter Tagebücher Khevenhüller Jg. 1752 bis 55, 467, 469.