Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 23. (1970)

MECHTLER, Paul: Dalmatien und die österreichische Eisenbahnpolitik

Dalmatien und die österreichische Eisenbahnpolitik 197 Termine bei normalen Umständen wahrscheinlich unterschritten worden wären. Die Finanzierung der ungarischen Teilstrecke stellte die Wiener Unionbank in Zusammenarbeit mit den führenden ungarischen Banken sicher, nachdem schwerwiegende Differenzen zwischen der ungarischen Regierung und einzelnen Kapitalgruppen bereinigt worden waren 50). Auch bei anderen dalmatinischen Eisenbahnprojekten sind die Vorar­beiten unmittelbar vor Kriegsausbruch wesentlich beschleunigt worden; Zara, Trau und selbst Metkovic sollten mit der Hauptlinie verbunden werden: entsprechende finanzielle Beiträge waren dafür in der Lokal­bahnvorlage des Jahres 1914 vorgesehen, deren Verabschiedung wegen des Kriegsausbruches nicht mehr erfolgen konnte. Am 25. Mai 1914 wurde die Linie von Rudolfswerth nach Mottling eröffnet, wodurch Krain eine neue Verbindung mit Kroatien erhielt. In der von großem Optimismus geprägten Eröffnungsrede des Ministers Forster ist auf die besondere Bedeutung dieser Strecke im Zusammenhang mit der im Bau befindlichen Linie nach Dalmatien hingewiesen worden 51). Nach der Mobilisierung konnten jedoch die Bauarbeiten nicht mehr in dem vorgesehenen Umfang weitergeführt werden, da andere Bauvor­haben (unmittelbare Nachschublinien zu den Fronten) selbstverständlich dringlicher waren. Der Ausfall von Arbeitskräften konnte nur teilweise durch den Einsatz von Kriegsgefangenen behoben werden, und 1916 lehnte das Reichskriegsministerium die Bereitstellung von Sprengmitteln ab 52). Von der 223 km langen Linie von Knin nach Ogulin konnte noch am 11. Juni 1918 die 69 km lange Teilstrecke von Ogulin nach Vrhovine eröffnet werden. Nach verschiedenen Vorstellungen dalmatinischer Poli­tiker an allerhöchster Stelle konnte das Eisenbahnministerium im Septem­ber 1918 nur die Erklärung abgeben, daß bestenfalls Ende 1919 auf der ganzen Linie der Betrieb aufgenommen werden könnte 53). Auch der vor­geschlagene Verkehr mit Automobilen auf einzelnen Teilstrecken ist nicht mehr realisiert worden. Eine gewisse Entlastung bei der sehr schwer in Mitleidenschaft gezogenen Versorgung von Dalmatien ergab sich dadurch, daß bereits im ersten Kriegsjahr die private Steinbeisbahn (eine Wald­bahn) von Prijedor über Dvar nach Knin ausgebaut wurde, die man später für die Personenbeförderung heranzog54). Allerdings konnte auf so) VA EM Präs. ZI. 1076/1910. Privatschreiben des ungarischen Handels­ministers vom 16. IV. 1910. Auch verschiedene Hinweise in der Zeitung des Vereins Deutscher Eisenbahnverwaltungen. si) Zeitung des Vereins Deutscher Eisenbahnverwaltungen 45 (1914) 726. 52) K. u. k. Kriegsministerium Abt. 7/P Nr. 7132/1916 in VA EM ZI. 26899/ 1916. 53) VA Eisenbahnbaudirektion ZI. 1601/1918: Majestätsgesuch vom 8. Sep­tember 1918 (!) des Präsidenten des Landeskulturrates, Hubert Conte de Borelli Vransky. 54) Über die Forstindustrie Steinbeis: Bericht über den 5. Österr. Historiker­tag in Innsbruck, veranstaltet vom Verband Österr. Geschichtsvereine in der

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