Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 23. (1970)

MECHTLER, Paul: Dalmatien und die österreichische Eisenbahnpolitik

Dalmatien und die österreichische Eisenbahnpolitik 193 Spalato—Metkovic enthalten, — Bahnbauten, die zwar nicht der Zu­stimmung Ungarns bedurften, aber nur als schlechte Ersatzlösungen für die seit Jahrzehnten angestrebten Verbindungslinien empfunden wur­den 38). Obwohl man spezielle Trassierungsabteilungen schuf, gelangten auch diese Bahnbauten infolge des raschen Wechsels der verkehrspoliti­schen Situation nicht mehr zur Ausführung. Es ist schwierig, alle Schachzüge in der dalmatinischen Eisenbahnpolitik im einzelnen zu ver­folgen, da sich darin Probleme der Außenpolitik, das Verhältnis der bei­den Reichshälften und die Ideen des Panslawismus in irgendeiner Weise indirekt auswirken mußten und da oft Fronten und Anschauungen in sehr kurzen Zeitspannen wechselten. In die Ausgleichsverhandlungen des Jahres 1907 ist auf persönliche Initiative des österreichischen Eisenbahnministers Derschatta auch die dalmatinische Eisenbahnfrage einbezogen worden 39). Die Verhandlungen über die Verlängerung des Ausgleiches wurden streng geheim geführt, und das Ergebnis gelangte erst an die Öffentlichkeit, als am 16. Oktober 1907 diese Vereinbarungen gleichzeitig dem österreichischen und ungari­schen Abgeordnetenhaus vorgelegt wurden. In diesen Abmachungen war auch der Bau von Eisenbahnen enthalten, und zwar von Mottling nach Karlstadt sowie von Ogulin (an der Strecke Karlstadt—Fiume) über Pribudic nach Knin, wobei jede der beiden Regierungen für die Ausfüh­rung der auf ihrem Staatsgebiet gelegenen Streckenteile zu sorgen hatte. Als Vollendungstermin für die Linie Rudolfswerth—Karlstadt war der Oktober 1910 und für Ogulin—Knin das Jahresende 1911 festgesetzt wor­den. Als Kompensation erhielt Ungarn dafür die Zusicherung für gewisse bauliche Verbesserungen an der Kaschau—Oderberger Bahn. Gerade die Eisenbahnbestimmungen bei diesen Verhandlungen wurden in der öffent­lichen Meinung Österreichs zwiespältig aufgenommen, da bald Gerüchte durchsickerten, daß der Bau der Verbindungsbahn nach Dalmatien in Budapest angeblich schon vor den Verhandlungen beschlossen worden war 40). Alle Indizien sprechen dafür, daß im Zuge des neuen Kurses in Ungarn kroatischen Politikern bereits mehr oder minder konkrete Zusa­38) Erlaß v. 25. II. 1907, ZI. 824/M. P. Außer Eisenbahnbauten waren Verbesserungen der Schiffahrtsverbindungen, Wasserleitungs- und Straßen­bauten, Bekämpfung der Malaria, Hebung der Landwirtschaft und Förderung des Schulwesens und des Fremdenverkehrs vorgesehen. Die großzügig geplante Aktion erzielte wegen der geringen budgetären Mittel nur geringe Erfolge. Ausführlicher Bericht darüber im VA EM Pr. ZI. 1736/1909. 39) Alois C z e d i k Zur Geschichte der k. k. österreichischen Ministerien 3 (Teschen—Wien—Leipzig 1920) 151—153. Über die gesamten Eisenbahnbezie­hungen zwischen österr. und Ungarn: P. Mechtler Eisenbahnpolitische Spannungen zwischen Österreich und Ungarn nach dem Ausgleich (1867—1918) in MIÖG 60 (1952) 310—318. 4«) Omega Was soll mit Bosnien geschehen? 57—60. Mitteilungen, Band 23 13

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