Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 23. (1970)

MECHTLER, Paul: Dalmatien und die österreichische Eisenbahnpolitik

186 Paul Meditier führt worden war 17). Leichter konnte das schwierige Problem der Wasser­beschaffung gelöst werden: die römische Wasserleitung in Spalato wurde erst wegen des Bahnbaues wieder instandgesetzt18). Die italienischen Bürgermeister von Spalato und Zara, die beide Bauunternehmer waren, gerieten wieder wegen der Bauvergebung in offene Feindschaft19). Im Juni 1875 wurden italienische Facharbeiter (Mineure) von der kroatischen Bevölkerung bei Sebenico mit Gewalt von den Baustellen vertrieben; der Innenminister drohte daraufhin dem Statthalter in Zara mit der Ein­stellung des Staatsbahnbaues, wenn nicht die nötigen Sicherheitsmaßnah­men ergriffen würden20). Diese Details sollen als Beweis dafür ange­führt werden, mit welchen Schwierigkeiten die Wiener Zentralstellen in Dalmatien — abgesehen von den bekannten Aufständen — immer zu kämpfen hatten. Nachdem bereits im Mai 1877 ein provisorischer Betrieb für den Ab­transport der Kohle für eine Mailänder Firma aufgenommen worden war, ist die Dalmatinische Staatsbahn am 4. Oktober 1877 feierlich eröffnet worden. Die Baukosten betrugen nur 10,972.230 fl. gegenüber einem Vor­anschlag von 12,369.745 fl., was zweifellos sehr selten bei Bahnbauten vorkam. Die Hoffnungen, die an diesen Bahnbau geknüpft waren, erfüllten sich in keiner Hinsicht. Die Dalmatinischen Staatsbahnen erzielten in den ersten Betriebs]'ähren unter allen österreichischen Eisenbahnen die schlech­testen finanziellen Ergebnisse: so betrugen zum Beispiel im Jahre 1880 die Einnahmen 80.169 fl. und die Ausgaben 194.834 fl. Ein Konkurrenzkampf zwischen Schiene und Straße hat bei kurzen Eisenbahnstrecken bereits im 19. Jahrhundert bestanden; ein Umstand, der leider bei der Planung von Lokalbahnen oft vernachlässigt wurde. In Dalmatien wurde dank der relativ guten Straßenverhältnisse ein hoher Prozentsatz der in das Einzugsgebiet von Eisenbahnlinien fallenden Transporte nach wie vor in der herkömmlichen Weise mit Lastfuhrwerken und mit Tragtieren ab­gewickelt. Auch der Personenverkehr erreichte wegen der Armut der Bevölkerung und wegen der geringen Zugsfolge nur einen sehr beschei­denen Umfang. Auch die Okkupation von Bosnien bewirkte, entgegen allen Erwartun­gen und Vermutungen, keine Besserung der verkehrspolitischen Situation in Dalmatien. In verschiedenen Beziehungen traten wegen Verlagerung von Verkehrsströmen sogar rückläufige Tendenzen auf. Das während der Okkupationszeit so oft ins Treffen geführte Argument, daß Dalmatien 17) VA HM ZI. 26311/C1/1874. — Es fehlten vielfach Aufzeichnungen über die Verschuldung von Grundstücken! 18) VA HM ZI. 5678/C1/1876. i«) VA HM Pr. ZI. 367/1875. so) VA HM ZI. 20678/P/1875.

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