Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 21. (1968)

SPRUNCK, Alphonse: Verteidiger der Interessen Österreichs in den südlichen Niederlanden während des Spanischen Erbfolgekrieges 1709–1714

Verteidiger der Interessen Österreichs in den südlichen Niederlanden 85 befohlen, in seinen Verhandlungen mit Prinz Eugen die letzten Vor­schläge des Kaisers anzunehmen. Vielleicht wollte die Versailler Regie­rung mit solchen Meldungen nur ihre kriegsmüden Untertanen beruhi­gen. Wenn diese Meldung aber auf Wahrheit beruhte, war diese Nach­giebigkeit begründet durch die Furcht Ludwigs XIV. vor einem uner­warteten Tode der Königin von England und die Unmöglichkeit, Kata­lonien zu unterwerfen. Kurz teilte Hortiz am 27. Februar mit, der Frie­densvertrag würde für Österreich günstiger ausfallen, als man erwarten könnte in Folge der ungünstigen Ereignisse, die die Treulosigkeit seiner Verbündeten verursacht hatte. In Rastatt wurde der Friede am 7. März unterzeichnet. Am 26. schrieb Hortiz an Kurz, die Engländer und Holländer seien sehr unzufrieden, daß sie keine Vertreter nach Rastatt senden durften und auch keine Be­richte über die Verhandlungen erhalten hatten. Die Generalstaaten drohten, die österreichischen Niederlande nicht zu räumen, bevor die Ver­handlungen über die Barriereplätze abgeschlossen wären. Hortiz nahm an, durch die rasche Entsendung einer größeren Zahl von Truppen könne der Kaiser sie zur Vernunft bringen. Die Mitglieder der früheren Re­gierungskonferenz waren über den Vertrag ärgerlich, weil sie dadurch hohe Einkünfte verloren. Der Kaiser müsse unbedingt sofort einen Ver­trauensmann nach Brüssel senden, mit der Vollmacht, in seinem Namen von seinen niederländischen Provinzen Besitz zu ergreifen und so deren vollständigen Ruin zu verhindern. Am 12. April schrieb Hortiz an Kurz, mit der Ernennung des Erz­bischofs von Mecheln und des Bischofs von Brügge sei der größte Teil der Bevölkerung wohl zufrieden. Die beiden hätten sich um Österreich wohl verdient gemacht. Ärgerlich wären die Anhänger des Jansenismus, die die zwei Prälaten als Verfolger ihrer diabolischen Sekte ansähen und in den katholischen Niederlanden großes Unheil stifteten. Hortiz riet dem Kaiser, mit ihnen ähnlich zu verfahren, wie in Frankreich Ludwig XIV. Aus Ostende hatte er erfahren, die englischen Regimenter hätten Flan­dern verlassen, trotz den Protesten der Generalstaaten; diese behaupte­ten, gemäß den früheren Abmachungen müßte England sie bei ihren For­derungen auf Barriereplätze unterstützen5). Hortiz sah für Verhand­lungen darüber große Schwierigkeiten voraus. Die Vertreter Österreichs müßten dabei viel Geschick und Energie zeigen und den Holländern keine einzige Festung überlassen. Diese wollten im Besitz aller Plätze bleiben, die sie besetzt hielten, obwohl sie bei der Bevölkerung sehr verhaßt waren. Am 21. Mai schrieb Hortiz an Kurz, er könne nur seine Klagen 5) Über die Bedeutung der Barriereplätze für Holland: C. C. P. E., Mai 1714, S. 366—368. — Seit 1662 hatten die Holländer mehrmals versucht, in den spani­schen Niederlanden Barriereplätze zu erhalten. Hahlweg, 61—64, Lonchay, S. 213 und 249.

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