Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 21. (1968)

SPRUNCK, Alphonse: Verteidiger der Interessen Österreichs in den südlichen Niederlanden während des Spanischen Erbfolgekrieges 1709–1714

Verteidiger der Interessen Österreichs in den südlichen Niederlanden 77 die Krankheit der Königin gefährlicher war, als zuerst angenommen wur­de. Die Streitigkeiten im Parlament wurden täglich heftiger, genau wie die Klagen der Kaufleute gegen einen Handelsvertrag mit Frankreich, dessen wichtigste Bestimmungen das Parlament verworfen hatte. Auch befürchtete die Londoner Regierung einen bewaffneten Aufruhr der Schotten. Aus Frankreich hatte Hortiz erfahren, man befürchte, Villars könnte gezwungen werden, die Belagerung von Landau aufzuheben 14). Selbstverständlich war Hortiz geneigt, Meldungen dieser Art ohne weiteres als sicher anzunehmen und die Bedeutung aller Schwierigkeiten in Frankreich und in den Ländern der früheren Verbündeten zu über­schätzen. In seinem Verkehr mit der Bevölkerung der katholischen Nie­derlande befand er sich in einer äußerst peinlichen Lage15). Die An­hänger Österreichs waren traurig und niedergeschlagen, die Gegner, die die Mehrheit bildeten, stolz und anmaßend. Dieser Zustand war entstan­den aus dem Mangel an einer regelrechten Regierung, sodaß für den Kaiser große Schwierigkeiten entstehen mußten, sobald er in der Lage war, tatsächlich Besitz von diesen Provinzen zu ergreifen. Hortiz bemühte sich auf alle mögliche Weise, die Sympathien der Bevölkerung für Österreich zu gewinnen 16). Auch den Widerstand der Katalonier gegen Philipp von Anjou ver­folgte Hortiz mit großer Aufmerksamkeit, zumal er nicht annahm, daß diese sich bald unterwerfen würden. Die Generalstaaten hatten Ge­neral Wrangel befohlen, zwei kaiserliche Infanterieregimenter, die in Ostende in Garnison waren, nach Brüssel zu führen. Dieser Befehl ge­reichte dem Kaiser zum Schaden und ärgerte die einheimische Bevölke­rung, weil durch deren Abzug die Holländer über den einzigen Hafen in den südlichen Niederlanden verfügen könnten. Wrangel hätte erklä­ren müssen, er dürfe nur Befehle des Kaisers ausführen; in diesem Falle hätten die Generalstaaten nicht auf die Räumung von Ostende gedrängt. Fürst Esquilache, Gouverneur von Antwerpen, hatte ihnen nicht gehorcht, als sie die Räumung der Befestigung an der Schelde verlangt hatten, wor­auf sie diesen Befehl nicht mehr wiederholten. In den niederländischen Provinzen kümmerte sich niemand um die Interessen und Rechte des Kaisers und alle suchten nur ihren Vorteil durch Nachgiebigkeit gegen­über den Holländern. In mehreren seiner folgenden Briefe erklärte Hortiz, er könne in Brüssel in dem allgemeinen Wirrwarr keine Ordnung schaffen, solange 14) Arneth, Band 2, S. 288—290. 15) Über die Haltung der Bevölkerung dieser Provinzen: Pirenne, S. 71 und 76. i®) „Pero hago quanto me es posible para animar a los unos y inti- midar a los otros amonestando a todos lo que es de su obligación, y asegu- randoles que su Majestad pudiera consolarlos y manifestarles su paternal amor, ya lo hubiera hecho mucho tiempo ha, pero que la desgragiada situation en que se hallan sus dependengias no le permite por aora.“

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