Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 21. (1968)
SPRUNCK, Alphonse: Verteidiger der Interessen Österreichs in den südlichen Niederlanden während des Spanischen Erbfolgekrieges 1709–1714
Verteidiger der Interessen Österreichs in den südlichen Niederlanden 55 obwohl die Straßen durch französische Partisanen unsicher waren, die auf die Pässe von Reisenden keinerlei Rücksicht nahmen. Ludwig XIV. suchte wiederum auf indirektem Wege Friedensverhandlungen zu beginnen, aber seine Vorschläge waren nicht bekannt* 21 * 23). Campo war von London in Brüssel angekommen; Hortiz bezweifelte, ob er bei dem neuen Ministerium so viel ausrichten könne, wie bei dem früheren24). Er schlug deshalb vor, ihn abzuberufen, da er gerade wegen seines großen Eifers Österreich schaden konnte in einer Zeit, da es galt, mit England gute Beziehungen zu unterhalten. Durch die schlechte Regierung und Verwaltung der Konferenz und des Staatsrates wurde die allgemeine Unordnung in den katholischen Niederlanden jeden Tag schlimmer. Der einzige Sohn Ludwigs XIV. starb am 14. April 1711 in Meudon; Kaiser Joseph starb drei Tage später an derselben Krankheit. Aus dem Haag schrieb Hortiz am 29. April an Kurz, Sinzendorf würde ihm Anweisungen geben, wie er Orrery über die Lage in den niederländischen Provinzen und über die Forderungen der Holländer betreffend Barriereplätze unterrichten könne. Da Sinzendorf vom Tode des Kaisers einen großen Umschwung der Lage erwartete, hatte er ihn im Haag zurückbehalten. Trotz allen Gefahren rechnete Hortiz mit einem glücklichen Ausgang des Krieges25 *). Um die Friedensvorschläge Ludwigs XIV., die nur den Zweck hatten, weitere Verhandlungen in die Länge zu ziehen, hatten sich die Seemächte nur wenig bekümmert20). Bei der Meldung vom Tode des Kaisers hatten sie beschlossen, alle Anstrengungen zu machen, um Österreich die gesamte spanische Monarchie und auch die römische Kaiserkrone zu verschaffen 27). 23) Ludwig XIV. hatte im Januar 1711 Verhandlungen mit England begonnen. Baudrillart, S. 582—592. 21) Redlich, S. 107, Arneth, Band 2, S. 141. — Über die Maßnahmen der englischen Königin gegen Marlborough und seine Familie, sowie die Anschuldigungen des Unterhauses gegen ihn: C. C. P. E., August 1711, S. 130—133. 2ä) „Excusaré cansar a Vuestra Merced con repeticiones asegurando solamente que tenemos grandes fundamentos para esperar, que este nublado terminará felizmente y que la Divina Misericordia dará su protección al unico heredero que oy queda de la Augustissima Casa para amparo y con- suelo de la Christiandad.“ 2«) In einem Beileidsschreiben, das die Generalstaaten nach dem Tode Kaiser Josefs an den Erzherzog schrieben, erklärten sie ausdrücklich: „Ainsi Nous as- surons Vötre Majesté que Nous ne manquerons pas de contribuer tout ce qui sera en nötre puvoir au redressement des affaires d’Espagne pour le bien de la cause commune, et pour vőtre intérét particulier, ne doutant point que V. M. ne contribue par ses soins et sa sage conduite, tout ce qui peut tendre á conserver une étroite correspondance et une bonne union entre les Alliez, pour Tavantage de la cause commune et particuliérement des affaires d’Espagne.“ C. C. P. E., 1711, Juli, S. 53. 27) In einem Beschluß, den die Generalstaaten am 27. April 1711 faßten, erklärten sie: „Que L. H. P. sensibles á la perte que tous les Hauts Alliez viennent de faire par la mort de l’Empereur Joseph, Elles déclarent qu’Elles