Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 21. (1968)

SPRUNCK, Alphonse: Verteidiger der Interessen Österreichs in den südlichen Niederlanden während des Spanischen Erbfolgekrieges 1709–1714

Verteidiger der Interessen Österreichs in den südlichen Niederlanden 45 nannt, die ihre Abreise in aller Eile vorbereiteten2). Andere behaupte­ten, es seien nur Gerüchte, die ausgestreut würden, um das verelendete Volk zu beruhigen. Für Versailles war ein baldiger Friedensschluß der einzige Ausweg, da die Generäle nur über eine ungenügende Zahl von Truppen und nur über Geld für Sold von zwei Monaten verfügten. Einer der Brabanter, die nach dem Haag gereist waren, hatte Hortiz er­klärt, Mitglieder des Staatsrates hätten unter der Hand eifrig gearbeitet gegen ihre Forderung, Erzherzog Karl zum Souverän der katholischen Niederlande zu proklamieren3). Auf Befehl Sinzendorfs wollte Hortiz sich nach dem Haag begeben, sobald er über einen Paß verfügte. Am 20. Februar schrieb er an Kellers, die Generalstaaten hätten den Ständen ihrer Provinzen die Versailler Friedensvorschläge mitgeteilt. Diese hätten beschlossen, keine Abänderungen an den früheren Friedens­präliminarien zuzulassen. Da die Vertreter Ludwigs XIV. erklärten, es liege nicht in dessen Macht, die Artikel 4 und 37, die die Räumung Spaniens und anderer Gebiete dieser Monarchie betrafen, anzunehmen, wurde ihnen von den Generalstaaten geantwortet, falls sie mit den an­dern Bedingungen einverstanden wären, könne man ihre Kommissäre zu­lassen, um über die beanstandeten Artikel zu verhandeln4). Aber gerade diese waren nach der Ansicht Hortiz’ äußerst wichtig; unbedingt mußten die Franzosen Garantien bieten, daß sie den Herzog von Anjou weder in Spanien noch in andern Gebieten der Monarchie Karls II. unter­stützen würden. Um Nachteile zu vermeiden, die den Kommissären Lud­wigs XIV. durch einen Aufenthalt in Holland entstehen könnten, hatten sie Pässe für Antwerpen oder eine andere Stadt in Brabant erhalten, wo sie mit den Vertretern der Republik verhandeln könnten. Mit dieser Botschaft war ein Kurier am 13. Februar vom Haag nach Versailles gereist. Vor seiner Abreise nach dem Haag wollte Hortiz den 2) Ludwig XIV. hatte am 31. Januar den Marschall d’Huxelles und den Abbé de Polignac nach dem Haag gesandt. Legrelle, S. 517 f. s) Über die Bestimmungen der Seemächte von 1703 betreffend die Souve­ränität Erzherzog Karls in den südlichen Niederlanden: Pirenne, S. 68 f. Nach Merode-Westerloo, Mémoires Band 2, S. 2 waren außer dem alten Grafen Clairmont alle Mitglieder des Staatsrates Anhänger Frankreichs. 4) Artikel 4: „Et d’autant que le Duc d’Anjou est présentement en posses­sion d’une grande partié des Royaumes d’Espagne, des cotes de Toscane, de la Sicile, des Indes et d’une partié des Pa'is-bas, il a été réciproquement con- venu, que pour assurer l’exécution des dits articles et des traitez ä faire et ä aehever dans l’espace de deux mois, ä commencer du premier de juin prochain, s’il est possible, Sa M. T. C. fera en sorte que dans ce mérne terme, le Royaume de Sicile sóit remis ä Sa M. C. Charles III., que ledit Duc sortira en pleine sureté et liberté de l’étendue des Royaumes d’Espagne avec son Epouse, les Princes ses enfans, leurs effets et généralement toutes les personnes qui les voudront suivre: en sorte que si le dit terme fini, sans que le dit Duc d’Anjou consente ä l’exécution de la présente convention, le Roy T. C. les Princes et Etats stipulans, prendront de concert les mesures convenables pour en assurer rentier effet.“

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