Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 21. (1968)

ZAUNER, Alois: Die Pfarrarchive Oberösterreichs

502 Literaturberichte wurden abgestoßen, für bestimmte Fabrikaturszweige kamen Fremdarbei­ter ins Land. Die damaligen Patente zeugen von Maria Theresias Grund­auffassung, daß der Untertan ein Recht auf Arbeit und Unterhalt habe, dem eine Pflicht zur Arbeit entsprach. Dazu kam die Sorge um die Beschäftigung der Gefangenen, der Rekruten etc. Ihre „Qualitätenordnun­gen“ befaßten sich mit der Verbesserung der Herstellung, ihre Fabriks­ordnungen verlegten neue Fabriken vorzugsweise auf das Land. Abschlie­ßend geht der Verfasser ins Detail über und behandelt Industrielle und Industrien, neue Erfindungen — am Rand sei erwähnt, daß auch der Bestand „Verschiedene Vorschläge“ des Hofkammerarchivs hierzu inter­essante, allerdings für eine etwas frühere Zeit (ca. 1650—ca. 1750) belang­volle Aspekte bietet —, die Gewerbe- und Handelspolitik, Agrikultur­förderung, Stromregulierung, Flußschiffahrt, Straßenbau, Post und Ver­kehr, Bevölkerungspolitik, die Kolonisation im Südosten, soziale Fürsorge sowie die Anfänge eines berufsbildenden Schulwesens. Otruba selbst spürt den einzigen Mangel seines Buches, „daß nur ein zeitlich eng begrenzter Quellenfundus ausgewertet wird“ (S. 6). Es ist auch manchmal nicht nur flüchtig — z. B. wird Baron Fries immer „Frieß“ geschrieben und als in „Mühlhausen im Elsaß“ gebürtig bezeichnet (S. 47), obwohl „Mül­hausen“ damals noch in der Schweiz lag etc. —, sondern auch vielleicht zu schnell und zu sehr in Hinblick auf Tatsachen und zu wenig auf deren Verarbeitung hin geschrieben worden, so daß einiges, dem Verfasser gewiß Bekanntes unter den Tisch fallen mußte, und zu wenig untersucht wurde, ob von den Anordnungen tatsächlich jede verwirklicht wurde: Nicht alle Gesetze treten in Kraft, und wie viele wurden und werden einfach unwirksam, weil sie umgangen wurden oder weil sie nicht so beobachtet wurden, wie der Gesetzgeber erwartete. Trotzdem haben alles in allem Finderglück und Leistung hier ein Werk zustande gebracht, an dem keiner, der sich mit dem 18. Jahrhundert beschäftigt, vorübergehen kann, zumal es von einer ausgezeichneten, nahezu kompletten Bibliographie abgerundet wird. Das letzte in dieser Sparte anzuzeigende Buch stammt nur zur Hälfte von Gustav Otruba, die andere verfaßte Josef Mentschl: Der gegenseitige Anteil an den „österreichischen Industriellen und Bankiers“ ist jeweils reinlich gekennzeichnet. Die Rosinen in dieser reich illustrierten Gemein­schaftsarbeit — Samuel Oppenheimer, Fries, Geymüller, Rothschild (beson­ders interessant!), Drasche-Wartinberg, Hornbostel, Skoda — stammen von Otruba, die späteren Kurz- (und Kürzest-) Biographien von seinem Mit­autor, alle bieten durchwegs gelungene Lebensbilder, die mit ihren Lite­raturangaben am Schluß nützliches Material für eine künftige Vereinheit­lichung liefern. Hanns Leo Mikoletzky (Wien) Julius Marx, Die wirtschaftlichen Ursachen der Revolution von 1848 in Öster­reich. (Veröffentlichungen der Kommission für Neuere Geschichte Österreichs 51.) Hermann Böhlaus Nachf., Graz—Köln 1965. 207 S. Die vorliegende Arbeit geht auf ältere Studien zurück, die M. auf Anregung von Oswald Redlich verfaßt und bereits an verschiedenen Stel­

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