Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 21. (1968)
ZAUNER, Alois: Die Pfarrarchive Oberösterreichs
Rezensionen 493 der Verfasserin gelingt, die „Gemeinsamkeiten aufzuzeigen und die großen Zusammenhänge ersichtlich werden zu lassen“ (Einleitung, S. 6). Wir verstehen nunmehr für einen, wenn auch schmalen Sektor höfischer Ereignisse, wie kompliziert, wie vielschichtig sie sind, wie sehr spätmittelalterliche Ausdrucksformen aus alten, übernommenen und abgewandelten Bräuchen zusammengesetzt sind. Am ausführlichsten berücksichtigt Drabek die Reisen der römischdeutschen Könige in Deutschland, Italien und Burgund, dem alten Reichsgebiet. Dieser Abschnitt enthält minutiöse Diarien königlicher Fahrten beginnend mit dem Geleit der Landesfürsten bis zur Abreise des Reichsoberhauptes aus einer Stadt. Bei aller in diesem Fall sicher notwendigen Beschreibung von Empfängen, Begrüßungen, Einzügen, Prozessionen und sonstigen Feierlichkeiten wird geschickt vermieden, den Leser durch allzu viele Wiederholungen zu ermüden, denn jeder Schilderung einer Reisestation in mehreren Beispielen fügt Drabek zusammenfassende Schlußfolgerungen an. Mit Recht betont die Autorin die eminente Wichtigkeit der geistlichen Komponente im königlichen Reisezeremoniell, ja, sie spricht sogar von der „kirchlichen Einholung“ als der „großen Konstante“ bei spätmittelalterlichen Königsempfängen (S. 35): hier hat sich mehr als in der politischen Realität das Wissen um die geistliche Würde des gesalbten und gekrönten Monarchen erhalten. Zu zeremoniösen Handlungen, die von den allgemeinen Reisebräuchen abwichen, kam es bei der Krönungsfahrt nach Aachen: Vergänglichkeitssymbolik, Erhebung auf den Rhenser Königsstuhl, Beweise für die Heilskraft des coronatus finden sich nur für die Aachenfahrt belegt. Reisen außerhalb des Reichsgebietes waren selbstverständlich in ihrer Ausgestaltung vom Zeremoniell der ausländischen Höfe mitbestimmt. In einem letzten Kapitel über Geschichte und Bedeutung der wichtigsten Teile des Reisezeremoniells deckt Drabek die Kontinuität des Empfangsritus der Städte für den höchsten Würdenträger von den Diadochen über die heidnische und christliche Spätantike zum byzantinischen und abendländischen Kaiserreich auf. Mit Bedacht wurde die besprochene Untersuchung ein Versuch genannt: im ganzen betrachtet zeigt sich eine gewisse Unausgeglichenheit, da gegenüber der breiten Anlage für die Reisen im Reich alle anderen Faktoren stark reduziert wurden. Man vermißt z. B. auch ein Eingehen auf die prunkvollen „Festlichkeiten und Zerstreuungen“, die sich bei der Zusammenkunft Friedrichs III. mit Herzog Karl dem Kühnen von Burgund 1473 in Trier abspielten. Doch sei zugestanden, daß sich ein solches Unterfangen schwer in die Gliederung der Arbeit einbauen läßt, da hier nicht nur der deutsche Herrscher und seine Untertanen, sondern auch ein ausländischer Potentat auf Reichsterritorium an dem Gelingen des Treffens beteiligt waren. Drabeks Kenntnis der spätmittelalterlichen Reiseliteratur, ihr Bestreben, stets „hinter die Dinge zu sehen“, nicht nur die Fassade des Zeremoniells, sondern auch seinen ideellen Gehalt zu beachten und zu erklä-