Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 21. (1968)

ZAUNER, Alois: Die Pfarrarchive Oberösterreichs

488 Literaturberichte betont worden. Sie muß ergänzt werden durch die Einsicht, daß das anti­bürgerliche Trauma der kommunistischen Führer zu verhängnisvollen Fehlentscheidungen von ihrer Seite geführt hat. Von dieser — wissen­schaftlichen — Gegenüberstellung ist aber in der Darstellung G. Hass’ nichts zu erkennen, hier erscheint Macht- und Interessenpolitik nur als Bestandteil amerikanischer, britischer und französischer, ganz allgemein der bürgerlichen Politik. Ein Beispiel für diese Darstellung sei angeführt: mit großer Genauigkeit schildert H. mehrere Seiten hindurch, wie ameri­kanische, zum Teil gar nicht in verantwortlicher Position stehende und auf eigene Faust operierende, oft aber durchaus mit Wissen der Regierung agierende Journalisten, Wirtschaftsleute und Politiker im Frühjahr und Sommer 1939 Kontakt mit Berlin hielten, und wie die Versuche, eine britisch-französisch-russische Einheitsfront herzustellen, auf westlicher Seite sabotiert wurden. Und dann folgt auf S. 137 der lapidare Satz: „In dieser Situation wurde am 23. August auf einen Vorschlag Deutschlands der deutsch-sowjetische Nichtangriffspakt unterzeichnet.“ So als ob nicht auch diesem Vertrag lange Verhandlungen, und noch längere Kontakt­nahmen vorangegangen wären und nicht auch dafür machtpolitische und machtegoistische Überlegungen entscheidend gewesen wären. „Die antisowjetische Haltung der Westmächte“, so schreibt Hass, hat die Sowjetunion „gezwungen, durch den Vertrag mit Deutschland zeitwei­lig den Frieden an ihren Westgrenzen zu sichern.“ Mit einem durchaus leicht durchzuführenden Austausch der Vokabel ließe sich diese Argumen­tation auch zur Rechtfertigung des britisch-deutschen Flottenabkommens und anderer sg. kapitalistischer Anbiederungen an das Nationalsozialisti­sche Deutschland anführen. Das Recht auf weltanschaulich geprägte Wertung sei dem Autor nicht bestritten, er hätte aber die Verpflichtung, die Argumentation der anderen Seiten zumindest referierend festzuhalten und dort, wo die eigene Position zeitlich wie menschlich bedingte Schwächen aufwies, sie auch offen aus­zusprechen. Das Versagen in dieser Hinsicht schwächt die Wirksamkeit der vielen wesentlichen materiellen Einsichten in die wirtschaftlichen wie politischen Zusammenhänge der Vorgeschichte des zweiten Weltkrieges, die G. Hass in seiner gründlichen Studie erarbeitet hat. Von diesen Einschränkungen abgesehen ist dieses Werk jedoch als bedeutsamer Beitrag zur wissenschaftlichen Erhellung dieser Periode anzuerkennen. Fritz Fellner (Salzburg)

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