Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 21. (1968)

ZAUNER, Alois: Die Pfarrarchive Oberösterreichs

462 Archivberichte chen einer Altpfarre in einem Band vereinigt. Von Nachteil ist allerdings, daß bei den Kirchenrechnungen immer wieder mit Lücken gerechnet werden muß. Für Ornate und Meßgeräte sind die Kircheninventare wich­tig. Sie setzten meist im 17. und 18. Jhdt. ein. Als Hauptquelle für das religiöse Leben hat Karl Eder die Stiftungen bezeichnet und die Forderung aufgestellt: „Es sollte in Zukunft keine Orts- noch viel weniger eine Pfarrgeschichte geben, die nicht das Stif­tungswesen sorgsam beachtet.“ Die Wertschätzung der Messe läßt sich an ihm am besten ablesen. Sie ist sowohl für die Anfänge des evange­lischen Bekenntnisses wie für die Gegenreformation wichtig. Aber auch für die Heiligenverehrung und das religiöse Brauchtum lassen sich daraus Erkenntnisse gewinnen. Besonders die Seelgeräte sind in der Regel sehr reichhaltig. Für den Pfarrer begründeten die Stiftbriefe wichtige seelsorg­liche Verpflichtungen. Sie wurden daher fast überall chronologisch zu­sammengelegt. Von Zeit zu Zeit sind Zusammenstellungen in den soge­nannten Stiftungsausweisen erfolgt und auch mehr oder weniger umfang­reiche Akten sind in diesem Zusammenhang erwachsen. Weitere Quellen zu diesem Thema sind die Beichtregister, Kommunikantenberichte, Akten über Gegenreformation und den Kryptoprotestantismus, über Prozessionen, Wallfahrten, Missionen, Konversionen und Apostasien. Stets haben im religiösen Leben die Bruderschaften eine wichtige Rolle gespielt. Es gab schon im Mittelalter zwei verschiedene Typen. Die einen verfolgten rein religiös-kirchliche Ziele, die anderen, die Zechen und Zünfte, hatten vor allem ständische Interessen im Auge. Mit der Gegen­reformation erfolgte auch eine Wiederbelebung dieser Gemeinschaften. In den Pfarrarchiven sind einschlägige Quellen vor allem in den Städten und Märkten in reichem Maße vorhanden. Auch einzelne Zunftarchivalien sind wohl durch diese Zusammenhänge in die Pfarrarchive gelangt. Nach dem Eingehen der Bruderschaften Ende des 18. Jhdt. traten im 19. Jhdt. die katholischen Vereine an ihre Stelle. Der Quellenwert der Matriken braucht nicht extra hervorgehoben werden. Für Oberösterreich hat Georg Grüll 1939 ein gedrucktes Verzeich­nis herausgebracht, das mit Hilfe von Fragebogen zusammengestellt wurde. Mittelalterliche Kirchenbücher sind in ganz Österreich nicht vor­handen. Erst das Tridentinum schrieb die Führung von Tauf- und Trau- ungsmatriken vor und das Rituale Romanum von 1614 Verzeichnisse der Verstorbenen. In der Diözese Passau wurden die Beschlüsse von Trient erst im Zuge der Gegenreformation verwirklicht, die 1597 verstärkt einsetzte. Bei diesem Sachverhalt war es wichtig, daß auch die evangelische Kirche die Notwendigkeit der Kirchenbücher sehr früh einsah. Da die landes­kirchliche Organisation fehlte, setzen sie zu verschiedenen Zeiten ein. Die ältesten sind von 1568—1576 in Grieskirchen erhalten. Zeitlich folgen jene des Landhausgottesdienstes 1576, die sich aber im Landesarchiv befinden. Mit 1581 beginnen sie dann in mehreren Pfarren. Diese frühen Fälle sind aber nur Ausnahmen. Im allgemeinen setzt die Matrikenführung erst im Laufe des 17. und 18. Jhdt. ein. Für zahlreiche Pfarren des unteren Mühl­viertels und vereinzelt auch für das Salzkammergut hat Josef Heider zu den Matrikeln 50 Bände alphabetischer Indices angelegt.

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