Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 21. (1968)

ZAUNER, Alois: Die Pfarrarchive Oberösterreichs

460 Archivberichte Heute gibt es in der Linzer Diözese insgesamt 457 Pfarren. Davon sind etwa vierzig erst in jüngster Zeit entstanden und brauchten daher nicht besucht zu werden. Von den übrigen 416 Pfarren wurden bisher 350 ver­zeichnet. Ausständig ist nur noch das untere Innviertel. Einige besonders wertvolle Pfarrarchive (Hartkirchen, Enns und Altmünster) hat Professor Georg Grüll im Anschluß an die Aufnahme geordnet, signiert und genau verzeichnet. Im Linzer Diözesanblatt 1902 erschien eine „Instruktion zur Ordnung der Pfarrarchive“ von P. Sebastian Mayr, dem damaligen Gymnasial­direktor von Kremsmünster. Diese Anleitung ist nicht ohne Auswirkung geblieben. Vor allem im Hausruckviertel und im östlichen Innviertel hat Pfarrer Martin Kurz viele Archive nach modernen Gesichtspunkten, getrennt in Urkunden, Akten und Handschriften, geordnet, die Akten in Schuber gegeben und Verzeichnisse angelegt. Wenn dies bei den übrigen Archiven nicht immer der Fall ist, so sind sie doch nach ihrem Sachinhalt gruppiert, gänzlich ungeordnet aber nur in den seltensten Fällen. Aus dem Mittelalter hat sich in unseren Pfarrarchiven verhältnismäßig wenig erhalten. An Pergamenturkunden aus der Zeit vor 1500 wurden in 34 Archiven 268 Stück festgestellt. Dabei handelt es sich vor allem um Käufe, Stiftungen, Ablaßbriefe und Weiheurkunden. Verglichen mit den beachtlichen Reihen von Urkunden, meist schon aus dem 14. Jahrhundert in fast jedem Tiroler Pfarrarchiv, ist dies ein recht bescheidenes Ergebnis. Salzburg scheint hier eine Mittelstellung einzunehmen. Eine der Ursachen für dieses West-Ostgefälle ist zweifellos die stärkere Schriftlichkeit der Verwaltung in Tirol seit dem 13. und 14. Jhdt. Ein weiterer Grund dürfte aber der Verlust wichtiger Archive von Altpfarren in Oberösterreich sein. Dafür spricht, daß bei einigen erhaltenen Altpfarrarchiven die Urkunden­zahl verhältnismäßig hoch ist. Die mittelalterlichen Handschriften sind ebenfalls wenige. Es konnten nur vereinzelt Kopialbücher und Dienst­register festgestellt werden. Etwas Besonderes ist in Mauerkirchen eine Handschrift aus dem 14. Jhdt., die Anweisungen für den Rotaprozeß ent­hält, und in Moosbach ein Kalendarium mit chronikalischen Notizen aus dem 15. Jhdt. In der Neuzeit bildet bei den Pfarrarchiven, wie in der Landesverwal­tung ja auch, die theresianisch-josefinische Zeit einen wichtigen Einschnitt. Es kamen zwar damals nur wenige neue Aktengruppen zu den früheren dazu, aber der Aktenlauf verstärkte sich sehr wesentlich. Rein mengen­mäßig stammt der Großteil der Bestände erst aus nachjosefinischer Zeit. Bei den in dieser Ära gegründeten katholischen Pfarren und den evan­gelischen Toleranzpfarren sind ja im allgemeinen keine älteren Bestände zu erwarten. Aber auch bei den Altpfarren stammt der Großteil des Schriftenbestandes erst aus dem Ende des 18. und dem 19. Jhdt. Wenn wir nun auf den Inhalt der Pfarrarchive aus der älteren Periode eingehen, so sind zuerst die Akten über Pfarrgründungen zu erwähnen. Den 221 Pfarren im Lande ob der Enns am Beginn der josefinischen Pfarregulierung stehen 181 am Anfang der Glaubensspaltung gegenüber. Im Laufe des 17. und 18. Jhdt. erfolgten also doch 40 Verselbständigungen

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