Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 21. (1968)

SPRUNCK, Alphonse: Verteidiger der Interessen Österreichs in den südlichen Niederlanden während des Spanischen Erbfolgekrieges 1709–1714

34 Alphonse Sprunck nen nachahmen 24). Auch in einigen französischen Garnisonen war es zu Meutereien gekommen. Von der englischen Flotte wurde behauptet, sie bereite eine Landung in Frankreich vor; vorläufig wurde sie durch schlechtes Wetter verhindert, in See zu stechen. Am 13. Juni schrieb Merode-Westerloo in einem teilweise chiffrierten Brief an Kellers, van den Bergh habe ihm eine überraschende Mitteilung gemacht. Marlborough habe nämlich die Friedenspräliminarien für ganz vernünftig erklärt, da Ludwig XIV. nicht weiter gehen könne; ihre Ab­weisung schrieb er der Hartnäckigkeit des Großpensionärs Heinsius zu. Gemäß der Verfassung der holländischen Republik riskierte dieser seinen Kopf beim geringsten Mißerfolg der Verbündeten in den katholischen Niederlanden. Von Marlborough hätte Merode-Westerloo niemals solche Reden erwartet, die schlimme Folgen haben konnten. Seine Gegner woll­ten ihn beim englischen General in ein schlechtes Licht stellen; seine Beziehungen zu Marlborough waren sehr gespannt. Vorläufig konnte er nur sagen, daß Erzherzog Karl in Gefahr war, nur eine nominelle Souve­ränität über die katholischen Niederlande zu erlangen, wenn im Haag kein geschickter Minister für seine Rechte einträte. Um die Artikel der Friedenspräliminarien wollte Merode-Westerloo sich nicht kümmern, um sich nicht noch mehr unbeliebt zu machen bei Gegnern, die auch am Herzog von Moles 25) eine Stütze hatten. Rouillé war am 11. Juni durch Brüssel gereist, ohne sich um den Prinzen Eugen oder um Marlborough zu kümmern. Diese waren am 12. zu ihren Truppen abgereist. Prinz Eugen hatte erklärt, er habe sich gegenüber Ludwig XIV. verpflichtet, beim Friedenskongreß keine höheren Forderungen als die der Präliminarien zu stellen. Aber Merode- Westerloo wollte außer Valenciennes, das die Generalstaaten um jeden Preis Frankreich abnehmen wollten, auch noch Cambrai, Arras und Douai; aus diesem Grunde sah er das Scheitern der Verhandlungen als ein Glück für den Erzherzog an. In Holland bearbeitete er die öffentliche Meinung unter der Hand in diesem Sinne. Wahrscheinlich waren der Kaiser und ganz Europa erstaunt, daß die Generalstaaten gegenüber 24) Zahlreiche Plakate gegen Ludwig XIV. wurden damals in Paris an den Toren der öffentlichen Gebäude und an Statuen angeklebt. Saint-Simon, 3. Band, S. 164 f. Über die Verteuerung der Lebensmittel, ibidem, S. 271 f. ,Es muy natural que (los Franceses) manifiesten el dolor de su opresión con alguna ruydosa demonstráción, a que ya se havia dado principio en algunas partes dei Reyno los dias pasados con emociones y alborotos bien grandes, y pusieron en grande cuydado el govierno, como tambien la inobediencia de algunos cuerpos de tropas que estaban en las guarniciones, no queriendo salir de ellas para ponerse en campana, sin que antes se les pagaré lo que les devia atrasado, y fűé preciso executarlo asi para apaciguarlos; pero como no se podrá hafer lo mismo con todos, por la gran falta de medios que experimentan, se tiene por indubitable, que desertaran los más, luego que tengan ocasión de executarlo.“ 25) Der Herzog Moles war kaiserlicher Botschafter in Barcelona.

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