Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 21. (1968)
SPRUNCK, Alphonse: Verteidiger der Interessen Österreichs in den südlichen Niederlanden während des Spanischen Erbfolgekrieges 1709–1714
92 Alphonse Sprunck publik ausgestoßen, für den Fall, daß sie einen Gesandten nach Wien senden würde. Die Holländer hatten ihm geantwortet, sie seien sehr verwundert über eine solche Forderung, die die Freiheit ihres Landes einschränke; sie selbst würden entscheiden über die Mittel, mit dem Kaiser wegen der Barriere zu verhandeln, die ihrem Lande und nicht England bewilligt worden sei. In Verhandlungen mit den Generalstaaten hatte Heems erklärt, die Angelegenheiten der Barriere müßten ganz methodisch behandelt werden. Merode-Westerloo wußte nicht, ob Heems Anweisungen für eine solche Erklärung erhalten hatte; jedenfalls erhoffte er selbst von langen Verhandlungen keine Vorteile für Österreich. Der englische Minister im Haag und sein Chef Strafford benutzten jede Gelegenheit, um ihre Feindschaft gegen Österreich zu zeigen. Trotzdem hatten sie auf ihrer Seite alle Mitglieder des Staatsrates, die Philipp von Anjou zugetan waren. Leider schenkte Prinz Eugen diesen allein sein Vertrauen, zum Ärger der Holländer, während die Bevölkerung der niederländischen Provinzen sich ganz unschlüssig und unsicher fühlte. Auch von dem Staatssekretär Andreas Kurz wurde behauptet, er schenke diesen Männern Vertrauen und unterhalte eine rege Korrespondenz mit ihnen; Merode-Westerloo nahm an, er sei mit den Verhältnissen in den österreichischen Niederlanden nicht genügend bekannt. Seinen beiden Korrespondenten teilte Merode-Westerloo ganz im Vertrauen mit, Marlborough sei, trotz seiner Gegensätze zur Londoner Regierung, sehr eingenommen für den Umtausch der österreichischen Niederlande gegen Bayern, da er an einem Weiterbestand des Staates Mindel- heim Interesse habe21). Solche, die über sichere Nachrichten von Rom verfügten, behaupteten, auch der Papst bemühe sich in Wien unter der Hand, diesen Umtausch durchzusetzen. Dies sei das einzige Mittel, um das Ziel zu erreichen, das die jetzige englische Regierung sich gestellt habe, nämlich, das Haus Österreich zu schwächen und auch die holländische Republik, die durch innere Zwietracht und den Einfluß der englandfreundlichen Partei vor dem Ruin stand. Von Rialp und Cardona wünschte Merode-Westerloo eine Bestätigung dieses Schreibens zu erhalten, da im Postweg viele Briefe wegen der Neugierde des englischen Gesandten abgefangen wurden. Am 31. Mai schrieb Merode-Westerloo an Rialp und Cardona22), in einigen Tagen würde er Nachrichten über die militärischen Reformen in Holland erhalten. In den österreichischen Niederlanden hatte man angefangen, zu hoffen, der Plan eines Umtausches gegen Bayern sei gescheitert, doch waren die dem Kaiser Wohlgesinnten seit einigen Tagen sehr erschreckt, da geflüstert wurde, Kurz habe dem neuen Staatsrat Graf 21) Im Jahre 1705 hatte Marlborough als Dank für seine Dienste das Herzogtum Mindelheim in Schwaben erhalten. 22) Veröffentlicht in den Memoiren von Merode-Westerloo, Band 2, S. 321— 324.