Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 20. (1967)

BLAAS, Richard: Die Archive im Bereich des Kulturgüterschutzes

Rezensionen 579 ihre Sitten, namentlich über die Religion. Die Brahmanen dürften dabei im christlichen Mittelalter besonderes Interesse erregt haben. Groteske Beschreibungen von mißgewachsenen Fabelvölkern und Erscheinungen der belebten und unbelebten Natur werden immer wieder auf ihren wahren Kern untersucht. Vieles dürfte aber nur der Einbildungskraft der Ver­fasser entsprungen sein. Historisch wichtig sind die Ausführungen von G. über die Beziehungen des Christentums zu Indien, die wechselvolle, in ihren frühen Einzelheiten nicht ganz geklärte Geschichte der sog. Thomaschristen. Auch die sagen­hafte Gestalt des Priesterkönigs Johannes wird untersucht. Die wichtigste internationale Literatur wurde trotz der bibliothekarischen Schwierig­keiten, die sich leider gerade auf diesem Gebiet in Wien ergaben, heran­gezogen. Im Anhang finden wir eine umfassende Übersicht über Quellen und einige Nachträge für das hohe Mittelalter. Im großen und ganzen war die Publikation dieser Dissertation durch ihre Qualität gerechtfertigt. Rudolf Neck (Wien). P a u c k e Florian S. J., Zwettler Codex 420. Jesuitenmission in Paraguay 1748—1769. II. Teil. Verlag Braumüller — Wien 1966. Mit 59 teilweise mehr­farbigen Tafeln. 665 Seiten. Mit dem Erscheinen des 2. Bandes ist die im Jahre 1959 begonnene Veröffentlichung des Manuskriptes des um die Mitte des 18. Jahrhunderts als Missionar im nordöstlichen Argentinien tätigen Jesuiten Florian Paucke abgeschlossen. Paucke, im damals zu Österreich gehörenden Niederschlesien geboren, verbrachte den Beginn seiner Ordenszeit (Bei­tritt zur Gesellschaft Jesu 1736 zu Brünn) im mährischen Raume und ging im Jahre 1749 in die „paraquarische“ Provinz der S.J., genau gesagt in den östlichen Chaco. Er stieß in dem unmittelbar vor ihm von Pater Martin Dobrizhoffer missionierten Gebiet noch weiter nordwestlich in eine vollkommen unerforschte, von den wilden Mocobi-Indianern durch­streifte Gegend vor und hat dort Unglaubliches geleistet, ehe nach fast 20jährigem Wirken seine Mission durch die Vertreibung der Jesuiten aus Südamerika vernichtet wurde. Paucke hat nach seiner Rückkehr nach Österreich — wo er schließlich in Neuhaus (Böhmen) lebte und starb — seine Lebenserinnerungen auf gezeichnet, die vor dem Verluste des Originals vom Prior Pater Placidus Assem im Cistercienserstift Zwettl abgeschrieben wurden. Sie tragen den Titel „Hin und Her, Hin süße und vergnügt, Her bitter und betrübt“ und wurden vom Archiv für Völker­kunde in Wien erstmals in deutscher Sprache ungekürzt mit allen schönen und originellen Zeichnungen herausgegeben. Der Paucke-Bericht ist eine Fundgrube für den ibero-amerikanistischen Völkerkundler und den Historiker der Naturwissenschaften. Der völker­kundliche Teil, betreffend die Lebensweise der Mocobis in den von den Missionaren gegründeten Reduktionen, in denen diese unsteten Wilden ganz ohne Gewalt, nur durch eine von den Jesuiten zur Meisterschaft entwickelten psychologischen Behandlungsmethode festgehalten und zu einer geregelten Arbeit und vernünftigem Wirtschaften gebracht wurden, ist von Frau Prof. Dr. Etta Becker-Donner fachlich bearbeitet und 37*

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