Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 20. (1967)
BLAAS, Richard: Die Archive im Bereich des Kulturgüterschutzes
550 Literaturberichte sind in dieser Zeit wenigstens bedeutende Bücherankäufe, darunter eine Aristoteles-Ausgabe und Werke von Boccaccio, Petrarca und Laurentius Valla, zu verzeichnen. Um 1470 setzten wieder Spezialkollegien über Klassiker ein. Der endgültige Durchbruch zum Humanismus ist an der Wiener Artistenfakultät durch — zwei Steirer herbeigeführt worden, durch den Magister Briccius Prépost aus Cilli und vor allem durch Bernhard Perger aus Stainz. Perger hat nach dem Vorbild des Niccolö Perotti eine „nova grammatica“ verfaßt, die 1482 in Padua gedruckt wurde und zahlreiche Neuauflagen und Nachdrucke erlebte. Am 8. August 1499 entschloß sich die Fakultät, den Besuch humanistischer Vorlesungen für Studenten und Bakkalauren vorzuschreiben. Dahinter steckt ein massives Eingreifen der Regierung. Maximilian I. hat den Wert des Humanismus nicht nur zur Propoganda, sondern auch als Wegbereiter des Römischen Rechts erkannt. Mit der Berufung des Celtes, der einen von Maximilian I. finanzierten Lehrauftrag in den Humaniora bekam, sich der Fakultät aber nicht inkorporieren ließ, schließt der gehaltvolle Band ab. Als Annexe folgen der lateinische Text des Stiftsbriefs vom 12. III. 1365, die Statuten der Artistenfakultät vom 1. IV. 1389 und die Disputation des Aeneas Silvius aus dem Jahr 1445. Eingeleitet wird der Band mit der Gedenkrede auf Rudolf den Stifter vor der philosophischen Fakultät, die der Vf. am 12. März 1965 gehalten hat. Besonders erfreulich ist, daß der Vf. eine Fortsetzung des Werkes ankündigt (S. 202); sie wird wie der vorliegende Band sicher neue Aspekte zur österreichischen Geistesgeschichte und zur inneren Geschichte der Universität bringen. Wir können uns schon heute darauf freuen! Hans Wagner (Salzburg). Winter Eduard, Frühaufklärung. Der Kampf gegen den Konfessionalismus in Mittel- und Osteuropa und die deutsch-slawische Begegnung. Beiträge zur Geschichte des religiösen und wissenschaftlichen Denkens, herausgegeben von E. Winter und H. Mohr, Band 6. Akademie-Verlag (Ost) Berlin 1966, 424 Seiten. Der Versuch, über ein Jahrhundert europäischer Geistesgeschichte, etwa von der Mitte des 17. bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts, für den Bereich Mittel- und Osteuropas zusammenzufassen, allen wechselseitigen deutschslawischen Beziehungen und dabei noch den Ursprüngen aller zusammenwirkenden Richtungen nachzugehen, ist ein gewaltiges Unterfangen, dem von Anfang an nur ein begrenzter Erfolg beschieden sein konnte. Allzuviel kommt dabei auf den Standort des Verfassers und das Darstellungsvermögen an, mit dem die Fülle der Fakten und Namen gebändigt wird. Eduard Winter, der verdiente Erforscher der böhmischen Verhältnisse, der Kenner der Archive der Deutschen Demokratischen Republik und der russischen Literatur, bringt sicher viele Voraussetzungen zum Gelingen einer solchen Aufgabe mit. Aus einer Fülle von gedrucktem und ungedrucktem Material wird hier das Fazit einer imponierenden Lebensarbeit gezogen, das freilich dort am überzeugendsten wirkt, wo der Verfasser auf eigene Vorarbeiten zurückgreifen konnte, im böhmischen Raum und dem Gebiet der innerkirchlichen Entwicklung. Aber auch darüber hinaus werden zahllose Anregungen geboten und ein un