Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 20. (1967)
BLAAS, Richard: Die Archive im Bereich des Kulturgüterschutzes
528 Literaturberichte Kramer Hans, Österreich und das Risorgimento. Bergland-Verlag Wien 1963 (Österreich-Reihe, Bd. 222/224). 237 S., 31 Abb. Es gehört zu den schwierigsten Aufgaben des Historikers, eine Übersicht zu geben über ein historisches Phänomen, das sich im Zeitraum vieler Jahrzehnte entfaltete. Unabdingbare Voraussetzung für das Gelingen eines solchen Unterfangens ist die souveräne Beherrschung des darzustellenden Geschehens mit all seinen Ursachen, Anlässen und Triebkräften, in seinem äußeren und inneren Verlauf. Ist diese nicht aus eigenem Quellenstudium gewonnen, so ist doch wenigstens eine intensive Kenntnis der wesentlichen älteren und neueren Literatur erforderlich, gleichgültig ob sie nun in deutscher oder in einer anderen gängigen Sprache erschienen ist. Das auf diese Weise gesammelte Material muß dann nach adäquaten Ordnungsprinzipien in allen wesentlichen Aspekten des historischen Ablaufes vom Historiker übersichtlich gestaltet werden. Schließlich bedarf der Autor noch — last not least — einer gewissen Gewandtheit im sprachlichen Ausdruck und der Fähigkeit zu lebendiger, fesselnder Darstellung, ganz besonders, wenn er sich bewußt an einen breiteren Leserkreis wendet und auf Vorlage neuer Forschungsergebnisse verzichtet. Nur unter diesen Voraussetzungen erscheint echte Geschichtsschreibung möglich und berechtigt, auch wenn die Quellenlage — wie im vorliegenden Falle — noch bei weitem nicht ausgeschöpft ist. Geht man mit solchen Voraussetzungen an die Lektüre des vorliegenden Buches, dann wird man freilich lebhaft enttäuscht. Der Verfasser scheint populäre Darstellungsweise mit Primitivität, ja Fehlerhaftigkeit im sprachlichen Ausdruck zu verwechseln, und auch im Inhaltlichen kann wohl weder der Fachmann noch der gebildete Laie aus der ziemlich verworrenen und z. T. längst überholten Polemik oder aus den spärlichen Literaturangaben viel Nutzen ziehen. Wenn man in der kapitelweise angeordneten Bibliographie jeweils einen eigenen Nachtrag findet, der nicht etwa nur die allerneueste, während der Drucklegung erschienene Literatur, sondern vielfach sehr wichtige Publikationen mit Erscheinungsjahren ab 1849 (sic!) findet, dann wird man noch mißtrauischer. Die im Text häufige Verwendung von Formulierungen wie „dürfte“, „soll“, „wird wohl“, „meines Wissens“ (S. 59), „ungefähr um“ (S. 20), „nach einer Angabe“, auch wenn es sich um bloße Tatsachen handelt, ist nicht geeignet, dieses Mißtrauen zu beseitigen. Der Autor hätte sich vielfach mit geringer Mühe in solchen Fällen authentisch informieren können, so etwa über die S. 60 und ebendort Anm. 8 aufgeworfene Frage nach der Dislozierung der italienischen Regimenter des österreichischen Heeres im Jahre 1859 in dem von ihm selbst — allerdings erst im Nachtrag — zitierten Werk des Kriegsarchivs über den Feldzug, oder bezüglich der Stärke der österreichischen Flotte 1848/49 (S. 90 Anm. 17) in dem nicht zitierten, aber immerhin schon 1884 erschienenen Band III/l der „Geschichte der k. k. Kriegsmarine“ von Jerolim Freiherrn Benko von Boinik. Daß in dem „Hof- und Staatshandbuch der österreichischen Monarchie“, von dem bis 1866 „verschiedene Jahrgänge“ erschienen seien (S. 214) — die richtige Bezeichnung für die in Frage kommende Zeit ist übrigens „Hof- und Staats-Schematismus des österreichischen Kaiserthumes“ bzw. „Hof- und