Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 20. (1967)

BLAAS, Richard: Die Archive im Bereich des Kulturgüterschutzes

Rezensionen 521 keineswegs für ein Unglück hielt und mehr an Friedensverhandlungen, vor allem mit Schweden, interessiert war. Die katholischen Teilnehmer konnten eine Diskussion des Prager Friedens nicht verhindern. Andrerseits bildete sich in der Frage der Reorganisation des Heer­wesens ein Gegensatz zwischen dem Kaiser und den Kurfürsten. Große Schwierigkeiten bot auch die Amnestiefrage, namentlich wegen der Resti­tution des Herzogs von Württemberg. Im Hinblick auf eine Reichsacht gegen den aufsässigen Landgrafen von Hessen-Kassel kam es jedoch zu einem größeren Einvernehmen, nicht zuletzt angesichts der zu gewärtigen­den Beute. Dies führte schließlich zum entscheidenden Fortschritt in der Wahlfrage, so daß wenigstens nach Annahme der Wahlkapitulation die Nachfolge Ferdinands gesichert wurde. Weitere Ergebnisse vor allem in Hinblick auf das Verhältnis des Reiches zu den Niederlanden und England wurden nachher nicht mehr erzielt. Hier machten sich die Einflüsse Spaniens bzw. angesichts der Pfälzer Frage der Widerstand Bayerns geltend. Immerhin war die Wahl des Nachfolgers noch ein Erfolg, da Ferdi­nand II. bald nach seiner Rückkehr nach Wien seinen Geist aufgab. Ein Interregnum in einer sehr schwierigen Lage war dem Reich damit er­spart geblieben. Zuletzt beschäftigt sich der Verf. noch mit den Folgen des Kurfürsten­tages, namentlich mit dem Projekt des Kölner Kongresses und läßt die Frage offen, ob damals nicht eine echte Chance einer billigen Verständi­gung mit Frankreich versäumt wurde. Selbst im Verhältnis zu Schweden schien die Lage nicht hoffnungslos. Bald jedoch kam es zur Annäherung zwischen Paris und Stockholm und damit waren auch die Weichen für Münster und Osnabrück gestellt. Für die Reichspolitik bedeutete dies eine weitere Entfernung vom Prager Frieden. Wer die Fortschritte der historischen Forschung in bezug auf den Westfälischen Frieden in den letzten wenigen Jahren überblickt, kann nur der Überzeugung Ausdruck verleihen, daß sich die deutschen Historiker hier auf dem richtigen Weg befinden. Wir dürfen daher auch für die nähere Zukunft weitere ersprießliche Resultate erwarten und damit die Erhellung eines bisher dunklen Zeitabschnittes unserer europäischen Ge­schichte, der für die weitere Entwicklung von großer Bedeutung werden sollte. Rudolf Neck (Wien). Helleiner Karl F., The Imperial Loans. A Study in Financial and Diplo­matie History. Clarendon Press, Oxford 1965. VIII und 190 S. Mit Hilfe der Wiener und Londoner Bestände ist der Verf. in dieser sehr aufschlußreichen und trotz des scheinbar trockenen Themas äußerst spannenden Untersuchung der Geschichte der Anleihen nachgegangen, die während des ersten Koalitionskrieges von Österreich in London aufge­nommen und von der britischen Regierung garantiert wurden. Im Gegen­satz zu Preußen und anderen deutschen Fürsten erhielt der Kaiser keine direkten Subventionen, sondern garantierte Anleihen und auf diese lau­fende Vorschüsse. Diese Art der Finanzierung der Kriegskosten, meist des

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