Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 20. (1967)
BRETTNER-MESSLER, Horst: Die Balkanpolitik Conrad von Hötzendorfs von seiner Wiederernennung zum Chef des Generalstabes bis zum Oktober-Ultimatum 1913
Die Balkanpolitik Conrad v. Hötzendorfs 241 5. Kapitel. DER ZWEITE BALKANKRIEG. (Vom Kriegseintritt Rumäniens bis zum Frieden von Konstantinopel). Der Kriegseintritt Rumäniens stürzte Bulgarien in eine schwere Krise. Es erhoben sich immer mehr Stimmen, die dem König und der Regierung die Schuld an dem drohenden Zusammenbruch zuschrieben, und Laxa sprach aus diesem Grund die Vermutung aus „... dass man nach dem Kriege mit Unruhen, eventuell Revolution zu rechnen haben wird“1). Bei der Armee herrschten ebenfalls chaotische Zustände, wie aus einem Telegramm des Militärattachös eindrucksvoll hervorgeht: „Heute wird Offensive, morgen Defensive befohlen, Truppen im erfolgreichen Vorgehen werden grundlos zurückgenommen. Regierung spricht von Einstellung der Feindseligkeiten, im nächsten Augenblicke kommen Meldungen über Angriffe der Griechen und Serben“ 2). Conrad blieb auch während seiner Urlaubszeit in Kontakt mit seinen Dienststellen und setzte auch die Korrespondenz mit Berchtold über die Ereignisse auf dem Balkan weiter fort. In einem Schreiben vom 12. VII. 1913 richtet der Generalstabschef an den Außenminister die Frage, ob die Donaumonarchie noch in diesem Jahr mit einem Krieg gegen Rußland rechnen müsse und welche Staaten in diesem Falle an der Seite Österreich-Ungarns stehen würden. Besonders die Haltung Rumäniens sei von entscheidender Bedeutung: „Ich habe schon früher erwähnt,“ betont Conrad, „daß ein Krieg der Monarchie gegen Rußland — wobei ich Deutschland an der Seite der Monarchie, aber auch gegen Frankreich engagiert annehme — falls der Balkanbund oder auch nur Serbien und Rumänien auf der Seite Rußlands stünden und in letzterem Falle Serbien und Rumänien nicht durch Bulgarien gebunden wären — ein für die Monarchie recht ungünstiges Kräfteverhältnis zur Folge hätte, — daß daher die Politik eine solche feindliche Konstellation durchkreuzen müßte. Ich komme daher bei diesem Anlasse immer wieder auf meine, schon einmal brieflich dargelegte Anschauung zurück, ob nicht der Moment zu ergreifen wäre, Serbien an die Seite der Monarchie zu bringen, dadurch die Machinationen Rußlands zu durchkreuzen und der Monarchie wieder zur Position am Balkan zu verhelfen, die sie sonst sicher durch den Abfall der südslawischen Gebiete verlieren würde, indem sie es schon gegen meine seinerzeitigen Ratschläge versäumt hat, diesen Anschluß *) K. A.: Ch. d. Gstbs., Evb., Fasz. 5542. (Chifferntelegramm Laxas. Aufg. Sofia 13. VII. 1913 2 h 30 m vm.; einget. Evb.: 2 h nm., Res. Nr. 212. Abschrift ging an das A. M., Evb. Nr. 3335). 2) Ebenda: Chifferntelegramm Laxas. Aufg. Sofia 12. VII. 1913 11 h 30 m nm.; einget. Evb. 13. VII. 1913 12 h m., Res. Nr. 213. Abschrift ging an das A. M., Evb. Nr. 3336). Mitteilungen, Band 20 16