Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 20. (1967)

BRETTNER-MESSLER, Horst: Die Balkanpolitik Conrad von Hötzendorfs von seiner Wiederernennung zum Chef des Generalstabes bis zum Oktober-Ultimatum 1913

Die Balkanpolitik Conrad v. Hötzendorfs 237 Verhandlungen mit Rumänien sich Serbien gegenüber noch unnachgiebi­ger zeigen und in der Folge eine .. kriegerische Lösung seiner Diffe­renzen mit Alliierten nach erfolgter Rückendeckung ... forcieren“ 92 93). Die Verhandlungen zwischen Rumänien und Bulgarien wurden jedoch nicht abgebrochen, denn am 26. Juni teilte Fürstenberg dem Außenminister mit, daß durch die Erteilung von Instruktionen an den rumänischen Gesandten in Sofia .. der Faden nicht abgerissen ..worden sei 9S 96). Während aus den Hauptstädten der Balkanstaaten zahlreiche Nach­richten der Militärattachös über die Situation unmittelbar vor Ausbruch des Krieges eintrafen, fehlen für diesen Zeitraum bedauerlicherweise Mitteilungen aus Petersburg. Lediglich am 26. Juni traf ein Bericht Hohenlohes ein, der die äußerst mißliche Lage der russischen Regierung schilderte. Auf die Frage eines Eingreifens Rußlands bei einem neuerli­chen Aufflammen des Balkankrieges übergehend, vertrat der Militäratta- ché die Auffassung, „... daß man sich auch in diesem Falle begnügen wird, in der jetzigen fatalen Unschlüssigkeit zu verharren“ 94). Am gleichen Tag erhielt Conrad drei Berichte Pomiankowskis, die sich mit der Ermordung Mahmud Schefket Paschas, wirtschaftlichen Problemen der Türkei, der dreibundfeindlichen Haltung der Gattinnen des russischen Botschafters und des Militárattachés General Holmsens, sowie Äußerungen des russischen Marineattachés Schtscheglow über das Verhältnis Rußlands zur Türkei beschäftigten 95). In Sofia gewannen nun allmählich die Militärs die Oberhand. Als General Sawow am 23. VI. unter Androhung seines Rücktrittes eine rasche, definitive Entscheidung forderte, wurde seinem Antrag stattgegeben und am 26. Juni erhielt er den Befehl, mit militärischen Operationen gegen Serbien zu beginnen9e). Das Vertrauen, das man in Bulgarien in die Stärke der Armee setzte, wurde jedoch bald durch die Nachrichten von den Kriegsschauplätzen schwer erschüttert. Wohl hatte das Heer im ersten 92) Ebenda: n. 7454. 93) Ebenda: n. 7504. 94) A. M. D. Ill: S. 355 f. (Bericht Hohenlohes vom 21. VI. 1913, präs. 26. VI. 1913). Während Hohenlohe die Antwortnoten Serbiens und Bulgariens auf das Telegramm Nikolaus II vom 8. VI. 1913 als „. . . durchaus unbefriedigend ...“ bezeichnete, äußerte man sich — laut einer Mitteilung des deutschen Botschafters in Petersburg — über ihren Inhalt im russischen Außenministerium befrie­digend. Pourtalés weist allerdings auf die in letzter Zeit von Bulgarien gemach­ten Schwierigkeiten hin, die eine friedliche Lösung der Balkankrise erschwer­ten. (Siehe dazu: G. P. XXXV: Nr. 13 413). 95) K. A.: C.-A. Fasz. B 3. (Bericht Pomiankowskis vom 19. VI. 1913, Res. Nr. 167, präs. 26. VI. 1913). (Bericht Pomiankowskis vom 19. VI. 1913, Res. Nr. 169, präs. 26. VI. 1913). (Bericht Pomiankowskis vom 19. VI. 1913, Res. Nr. 172, präs. 26. VI. 1913). Res. Nr. 167 ist in A. M. D. Ill S. 351 ff teilweise wiedergegeben. 96) Herzfeld: S. 87, Uebersberger: S. 158.

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