Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 20. (1967)

BRETTNER-MESSLER, Horst: Die Balkanpolitik Conrad von Hötzendorfs von seiner Wiederernennung zum Chef des Generalstabes bis zum Oktober-Ultimatum 1913

216 Horst Brettner-Messler zu erhalten. Als die rumänische Armee eine große Anzahl von Gewehren bestellte, befand sich ein Großteil nach seiner Auslieferung in einem derart schlechten Zustand, daß Hranilovic Conrad mitteilte, es wäre besser gewesen, man hätte die Waffen nicht zur Ausfuhr gelangen lassenX1). Aus den folgenden Wochen finden sich fast keine Aufzeichnungen des Generalstabschef über das rumänisch-bulgarische Verhältnis. Dies liegt einerseits an der dominierenden Stellung der Skutari-Frage in seinen politischen Erwägungen, andererseits waren sich auch die einzel­nen Militärattache® über die weitere Entwicklung der Lage nicht im klaren. So berichtete Szeptycki am 24. II. über ein Gespräch mit dem politi­schen Schriftsteller Konstantin M. Gheorgiew. Dieser behauptete, daß in Bulgarien der Widerstand gegen die russophile Partei immer größer werde und daß König Ferdinand diese nur unterstütze, um während des Krieges „ . . . Rußland nicht gegen sich zu haben; im Moment jedoch wo das Kabinett Danew fallen würde und eine der inneren Volksstimmung entsprechende österreichische Regierung ans Ruder käme, wäre sein inner­ster Wunsch erfüllt.“ Man hoffe, daß es Österreich-Ungarn gelingen werde, eine Annäherung zwischen Bulgarien und Rumänien zu erreichen, und daß man Sofia ncht zur Abtretung Silistrias zwingen werde* 12). Einige Tage später erreichte Conrad die Nachricht, daß Rußland für Bulgarien in Düsseldorf Munition im Werte von 8—10 Millionen Francs bestellt habe13). Auch das griechisch-bulgarische Verhältnis verschlechterte sich zu­sehends. Szeptycki berichtete, daß die bulgarische Regierung eine Bevor­zugung Griechenlands bei der Verteilung der Kriegsbeute befürchte. Wenn die Donaumonarchie die austrophile Partei in Sofia und die bulgarischen Gebietsforderungen unterstützen würde, dann könne man das Königreich als dauernden Verbündeten gewinnen14). In London war man inzwischen bemüht, den rumänisch-bulgarischen Konflikt beizulegen. Majorescu lehnte jedoch eine Intervention der Bot­schafterkonferenz ab, und die Vertreter der Großmächte beschlossen daher, durch eine Demarche in Sofia, die Spannungen zwischen beiden Staaten zu verringern. Als dieser Schritt in Bukarest bekannt wurde, n) K. A.: C.-A. Fasz. B 3. (Bericht Hranilovic vom 15. II. 1913, Res. Nr. 34 geheim, präs. 19. II 1913; Bericht Hranilovics vom 5. III. 1913, Res. Nr. 22 geheim, präs. 7. III. 1913; Bericht Hranilovics vom 9. IV. 1913, Res. Nr. 79 geheim, präs. 12. IV. 1913). Siehe auch A. M. D. Ill: S. 141 f. 12) K. A.: C.-A. Fasz. B 3. (Bericht Szeptyckis vom 24. II. 1913, keine Res. Nr., präs. 28. II. 1913). In A. M. D. Ill, S. 211 ist dieser Bericht nur auszugsweise wiedergegeben. 1S) A. M. D. Ill: S. 161. (Brief Conrads vom 5. III. 1913). 14) K. A.: C.™A. Fasz. B 3. (Bericht Szeptyckis vom 11. III. 1913, Res. Nr. 110, präs. 17. III. 1913).

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