Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 19. (1966)

SPRUNCK, Alphonse: Francisco Bernardo de Quiros, ein spanischer Diplomat im Dienste des Hauses Österreich während des spanischen Erbfolgekrieges

110 Alphonse Sprunck 300 000 Gulden, die die Holländer gegen Hypothek auf die Zölle in den südlichen Niederlanden bewilligt hatten, seien noch 46 255 Gulden 4 Heller und 4 Stüber übrig. Diese ganze Summe stand zur Verfügung des Erz­herzogs. Am 12. November hatte Kellers ihm aufgetragen, Waren zu kaufen, die er bei der nächsten Gelegenheit nach Katalonien senden sollte. Bei den Verbündeten hatte er sich eifrig bemüht, Unterstützung für dieses Land zu erhalten, ohne daß er jedoch viel erwarten durfte. Als Quiros diesen Brief schrieb, empfand er vielleicht Todesahnungen. Durch den Kummer wegen aller seiner erfolglosen Bemühungen im Dienste des Erzherzogs war er krank geworden34). Auf den dringenden Rat seiner Ärzte wollte er am folgenden Tage nach Aachen reisen. Nach einem Bericht der Zeitung Clef du Cabinet des Princes de l’Europe vom März 1709, starb er dort am 18. Januar. Vom Tode seines treuen Dieners wurde der Erzherzog am 24. Januar in Kenntnis gesetzt durch einen Brief von De Coxie, dem Präsidenten des Staatsrates. Am 2. Februar sandte ihm Erzherzog Karl noch zwei Briefe. In einem billigte er dessen Reise nach Antwerpen zu einer Zeit, als Brüssel in Gefahr war, vom Feind besetzt zu werden. Mit allen Maßnahmen, die Quiros für die Sicherheit der katholischen Niederlande getroffen hatte, erklärte er sich einverstanden; auch den Behörden und den Personen, die dieser ihm empfohlen hatte, wollte er seinen Dank abstatten. De Coxie, der seit dem Einzug der Verbündeten in Brüssel Präsident des Staatsrates war, spendete Quiros in einem Brief an den Erzherzog hohes Lob35). Dieser hatte schon bei dessen Abreise nach Aachen dafür gesorgt, daß seine Papiere einer Vertrauensperson übergeben würden30). Trotzdem die Bevölkerung des größten Teils der katholischen Niederlande vorläufig von den Verbündeten regiert wurde, hatte sie für diesen Spanier immer hohe Achtung empfunden; deshalb bat De Coxie den Erzherzog, wiederum einen Spanier zu seinem Nachfolger zu ernennen. Tatsächlich wurde Quiros ersetzt durch die Grafen Gallas und Bruay, wie hervorgeht aus einem Schreiben des Erzherzogs vom 14. September 1709, als in Folge der schweren Niederlage der Franzosen bei Malplaquet vom 11. September die Lage für Österreich sehr günstig war, und Friedensverhandlungen erwartet wurden. Weitere Anweisungen erhielten die beiden am 23. Oktober87). Wahrscheinlich in der Hoffnung, diesen Provinzen wieder die Ausdehnung zu geben, die sie vor Ludwig XIV. hatten, war der Erzherzog bereit, den Holländern eine vernünftige Barriere zu gewähren. Von Frankreich wollte er auch wieder die Länder Roussillon und Cerdagne für Spanien fordern. Da die Seemächte ver­sprochen hatten, alle Ausgaben für den Krieg zu übernehmen, als sie den Erzherzog nach Spanien brachten, sollten Gallas und Bruay bei den Friedensverhandlungen jede Rückzahlung energisch verweigern.

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