Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 17/18. (1964/65)

BROUCEK, Peter: Alexander Ypsilantis Gefangenschaft in Österreich

Miszellen 557 Gerasimo Orffani, Constantin Kavaletopulos und Georg Lassaret, von der Wiener Regierung ihre Freilassung zu erreichen31). Aber immer noch herrschte zwischen Rußland und Österreich Einver­nehmen, daß kein selbständiger griechischer Staat errichtet werden sollte, auch war es Metternich bisher gelungen, Rußland vom aktiven Eingreifen auf dem Balkan abzuhalten. Dies erklärt, daß niemand an eine Freilassung Ypsilantis' dachte und er die Hilflosigkeit eines politischen Häftlings, dessen Vorhandensein beiden Regierungen lästig war, zu spüren bekam. So vergingen die Monate, das Leben auf engem Raum führte zu Reiber­eien und Streitigkeiten unter den Brüdern, Alexander Ypsilantis scheint sich öfters dem Trunk ergeben zu haben, auch der Versuch, sich als Schriftsteller zu betätigen, konnte ihn über seine Lage nicht hinweg­trösten 32 ). Zu Beginn des Jahres 1827 interessierte sich auch Friedrich Wil­helm III. von Preußen für das Schicksal Ypsilantis' und der österreichische Gesandte Zichy erbat von Metternich diesbezüglich Weisungen. Metter­nich antwortete, es müsse darauf hingewiesen werden, daß die Griechen auf russisches Verlangen eingesperrt worden seien. Petersburg müsse zu ihrer Freilassung die Initiative ergreifen. In einer weiteren Weisung ergänzte Metternich noch, daß keine Auslieferung an die Türkei geplant sei, daß Rußland auf die Vorschläge Österreichs vom vergangenen Jahr keine Antwort gegeben habe, Ypsilantis selbst eine gute Behandlung ge­nieße33). Darauf ließ Friedrich Wilhelm III. an Ypsilantis schreiben, daß er einer Bitte um Intervention nicht entsprechen könne34). Trotzdem trat am 14. Juli der erst freigelassene Grieche Orffani neuerlich an den Preu­ßenkönig heran und wies auf die schlechte finanzielle Lage der Gefan­genen, die zerrüttete Gesundheit ihres Anführers und das Fehlen eines Arztes hin. Zichy konnte wieder nur auf die schon gegebene Antwort hin- weisen 3S). 31) Y. A., Berichte an Metternich v. 20. 10. 1826, 13. 12. 1826 und 8. 2. 1827. 33) Gräfin Lulu Thürheim, Mein Leben. Erinnerungen aus Österreichs großer Welt 1819—1852, hg. v. René van Rhyn, München 1914. Im 4. Bd. dieser Memoiren wird S. 205 ff. ein© kurze Schilderung deir Erlebnisse Ypsilantis’ veröffentlicht, die dieser angeblich selbst vor seinem Tod der Grä­fin gegeben hat. Übrigens hat auch ein Bruder Alexanders in Munkács Erin­nerungen bis zu seiner Gefangennahme nierdergeschrieben: Gr. Kambouroglous, Memoires du Prince Nicolas Ypsilanti, Athen-Paris o. J. 33) HHStA, Staatenabteilung Preußen, Weisung nach Preußen Nr. 2 v. 6. 2. 1827 und v. 3. 3. 1827. 34) HHStA, Staatenabteilung Preußen, Bericht (künftig: B. a. P.) Nr. 26 F v. 10. 4. 1827. ss) B. a. P. Nr. 62 v. 28. 8. 1827. Weiteres Material über die griechische Intervention befindet sich im Deutschen Zentralarohiv, Abteilung Merseburg- unter deir Signatur AA I Rep. 1 Nr. 2247. Leider konnten darüber keine näheren Auskünfte erlangt werden.

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