Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 17/18. (1964/65)

RAINER, Emil: Der Abenteurer Sardan

540 Miszellen Herkules hatte durchsetzen können, sei nun ein halbes Karthago. Holland hätte durch Hilfe an La Rochelle Frankreich in Wirren stürzen können, habe ihm aber Schiffe geliehen oder verkauft. Aber Sardan geht noch tiefer in die Geschichte Frankreichs zurück. Der maior domus als In­haber der höchsten Würden war der Schiedsrichter zwischen König und Volk, und der König konnte daher nicht zum Tyrannen werden. Aber Hugo Capet vereinigte dieses Amt mit dem Königtum. Dafür schuf er das Parlament, aber dieses tagte nur zeitweise nach der Laune der Könige und wurde schließlich nur selten einberufen. Als Asyl der Unzufriedenen hatte La Rochelle noch die Freiheit aufrecht erhalten, aber seit ihrem Fall stehe Frankreich unter einer rein despotischen Herrschaft. Die Fürsten der Christenheit müßten der Partei der Unzufriedenen Mittel zum Widerstand geben, da sie allein nichts Beträchtliches ausführen könnte. Nun folgen Reflexionen über das Interesse des Hauses Österreich. In Frankreich hatten einige Personen den Plan gefaßt, das Joch, das sie drückte, abzuwerfen, aber die Gerüchte, daß Frankreich Burgund erobert habe oder im Begriffe sei, es zu erobern, hat sie zurückgeschreckt. Frank­reich wolle ohne Zweifel das Bündnis zwischen Spanien und Holland zer­reißen. Dazu sei ein allgemeiner Friedensschluß nötig und dafür möchte sich der König von England, der im Herzen an Frankreich hänge, zum Mittler machen. Der König von Frankreich denke nur an die Eroberung der Niederlande und möchte den Dauphin zu ihrem Herrscher krönen lassen. Durch dessen Heirat mit einer bayrischen Prinzessin und andere Verbindungen könnte Frankreich in Deutschland ein Heer von 50.000 Mann aufstellen und mit ihm die Eroberung des Reichs fortsetzen. Er würde ganz Europa in Fesseln legen, und sogar die Kantone der Schweiz würden schweigen, wenn sie sich daraus einen Vorteil versprächen. Frankreich würde Unruhe in Polen stiften, die Türkei würde eine Armee gegen Ungarn schicken und England, das im Einvernehmen mit den Boucaniers Kräfte nach Westindien schicken würde, um sich dort des Goldes und des Handels zu bemächtigen, wäre von den Geschehnissen in Europa abgelenkt. Sardan empfahl, jeden Friedensschluß durch drei Jahre abzulehnen, die gegenwärtigen Bündnisse aufrechtzuerhalten, in West­indien Vorkehrungen gegen Überraschungen zu treffen und sich mit der Konföderation der Unzufriedenen in Frankreich zu verbünden. Man müsse Elsaß befreien, die Schweden aus dem Reiche vertreiben und die Franzosen in ihre früheren Grenzen zurückzwingen. Man könne von Frank­reich sagen, was Hannibal, der alte schlaue Heerführer, von Rom gesagt hat: man könne Rom nur in Rom besiegen. Der Wiener Hof ist auf das Elaborat nicht eingegangen und Sardan hat vergeblich auf Antwort gewartet. Am 22. Feber 1676 sandte er aus Kassel an den Staatssekretär Pedro Coloma ein für die Königin und den Staatsrat bestimmtes Schreiben von 33 Seiten, das seine Ehrenhaftigkeit bezeugen sollte. Die Ursachen der Fehlschläge erklärte er in der uns bekannten Weise, aber er gab am Mißerfolg auch Audijois die Schuld und bezeichnete ihn als Feigling und Spitzbuben. Auch dieses Mémoire schließt mit der Bitte um ein Stück

Next

/
Thumbnails
Contents