Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 17/18. (1964/65)

RAINER, Emil: Der Abenteurer Sardan

536 Miszellen Indessen gab Spanien die Sache noch nicht auf. Am 18. Mai beschloß der Staatsrat, der Königin zu empfehlen, die Verhandlungen mit Sardan nicht abzubrechen, obwohl davon wenig zu erwarten sei, umsomehr als Holland den Vertrag nicht erneuert habe. Zu demselben Schlüsse kam der Staats rat in den Sitzungen am 29. Mai, 26. Juli und 21. Juli 1675. Damit waren weitere Zahlungen genehmigt46). Am 19. Mai teilte der Marquis der Königin mit, daß Riomal immer argwöhnischer werde, denn anstatt die Unruhen in verschiedenen Städten von Guyenne und der Bretagne für die Ausführung seiner Pläne zu be­nutzen, sei Sardan nach Deutschland gegangen, nachdem Villagarcia und Riomal vier Wochen vergeblich auf Sardans Freunde gewartet hatten. Aber am 12. Juni schrieb Riomal, wenn Sardan sich beeile, sei noch alles zu hoffen. Damit endigte die Korrespondenz Riomals mit Holland47). Gegen Ende Juni reiste Riomal, wie er dem Marquis schrieb, über die Schweiz nach Holland. In Chur suchte er den spanischen Gesandten Grafen Alfonso Casati auf, aber auch dieser hatte sich vergeblich bemüht, etwas über Sardan zu erfahren. Auch Don Juan verlor die Geduld. Am 10. Juli schrieb er der Königin, daß Sardan entweder nach Frankreich gehen müsse, um mit seinen Kameraden Fühlung zu nehmen oder sich zur kaiserlichen Armee begeben müsse, wofür er von ihm einen Brief be­kommen habe48). Am 27. Juli berichtete Villagarcia, daß sich Sardan endlich gemeldet hatte. Er schrieb dem Marquis aus Deutschland, daß er von schwerer Krankheit genesen sei und daß seine Reise nicht unnütz war, denn er habe gute Nachrichten aus Frankreich48). Ebenso lautet ein Bericht des Konfidenten Launoy an den Gesandten d’Estrades im Haag vom 29. Juli 1675: Mian habe in Holland große Hoffnungen auf die Revolten in Frank­reich, und der Prinz von Oranien habe erfahren, daß die ganze Bretagne sich erhoben habe49). An Mateo Patino schrieb Sardan am 31. Juli aus Frankfurt. Er ver­sicherte, daß alles auf gutem Wege sei, wenn Holland den Aufständischen die Hilfe leiste, um die Sardan bittet. Dann werde Europa wissen, ob er Frankreich mit guten Grundlagen verlassen habe. Er bat um Interven­tion beim Kaiser wegen Ratifikation seiner Verträge und auch um Geld. Der Brief schließt mit einer Überraschung: Hier regen sich alle auf (Aqui quedan todos escandalisados), daß Spanien keinen Residenten in Frankfurt habe; er könnte dieses Amt ehrenvoll ausüben, umsomehr als er Protestant sei. Beiliegend übersandte er ein Schreiben Bournonvilles an ihn vom 29. Juli, der einen Bericht über die militärischen Ereignisse der letzten Tage bei Sasbach und über den Tod Turennes (27. Juli) enthielt 5U). Am 10. August sandte Villagarcia der Königin zwei Briefe Sardans. Dieser behauptete, daß er aus Frankreich gute Nachrichten von den 46) Ebendort, No. 132, 137 und 143. 4?) Krämer a. a. O., S. 78. 48) Siehe Anmerkung 42, No. 148. 4») Griffet a. a. O., Band III, S. 471. so) Archivo general Simancas, siehe Anm. 42, No. 152.

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