Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 17/18. (1964/65)

RAINER, Emil: Der Abenteurer Sardan

Miszellen 535 einen Gegenbefehl erhalten würde39). Sardan hielt auch den Marqués de Villagarcia zwei Tage lang hin; er wolle nun über die Schweiz Weiter­reisen, um mit dem Prinzen Karl von Lothringen wegen der Provence zu verhandeln. Der Marqués beruhigte Sardan wegen der Weiterzahlungen und ersuchte ihn, den spanischen Vertrag nicht Riomal zu zeigen40). Auch weiterhin schwankte Riomals Urteil über die Erfolgsaussichten. Am 3. April schrieb er an du Moulin, daß es Sardan nicht an gutem Willen fehle, daß er aber die Aussichten auf eine Erhebung falsch be­urteilt habe. Immerhin glaubte Riomal, daß trotz Rohans Tode Hoffnung bestünde, wenn Sardans Freunde Wort halten würden41). Aber bereits am 6. April berichtete Villagarcia nach Madrid, daß Riomal, der wieder nach Genua zurückgekehrt war, voll Mißtrauen gegen Sardan war; der Marquis riet ihm, zu warten, bis das „desengano“ reifer sein würde42). Aber Sardan hatte mit seinen Mitverschworenen in Frankreich jeden Kontakt verloren und diese wollten die Angelegenneit selbst in die Hand nehmen. Im April 1675 kamen zwei Deputierte von Bordeaux auf einem englischen Schiffe nach Holland und baten um militärische Unterstützung. Sie versprachen 10 bis 12.000 Bewaffnete aufzustellen, die sich mit den Hilfstruppen vereinigen würden, die man aus Spanien erwartete. Sie schlugen vor, daß die holländische Flotte Blaye und Bourg-de-Visa an­greifen und 1000 Mann landen sollten; indessen würden die Aufstän­dischen mit spanischer Hilfe Castel Trompette anfallen. Sie versicherten, daß mehrere Städte von Guyenne sich ihnen anschließen würden. Wil­helm III. empfing sie nicht und ließ ihnen durch den Ratspensionär Fagel sagen, sie möchten heimkehren und sich Vollmachten von den Be­hörden der Stadt Bordeaux besorgen, dann würde Holland ihnen ausgie­big helfen. Aber die Deputierten ließen sich nicht mehr sehen43). Am 24. April 1675 beriet der Staatsrat in Madrid, welche Schritte unternommen werden sollten. Er sprach sich dahin aus, daß man nach den bisherigen Erfahrungen mißtrauisch sein müsse, trotzdem sollte Villagarcia die Verhandlungen mit guten Worten weiterführen, bis man mehr Terrain entdeckt haben würde. Auf Empfehlung des Staatsrates überwies die Königin 250.000 Escudos nach Genua44). Am 1. Mai schrieb Riomal dem Marquis, daß Sardan sich auf dem Rückwege von Lindau befinde und daß er (Riomal) hoffe, bald mit ihm sprechen zu können. Er hatte in einer Zeitung gelesen, daß in Bordeaux Unruhen ausgebrochen wären, und er glaubte, daß dies der Beginn eines durch Sardan hervorgerufenen Aufstandes wäre. Aber die Niederschla­gung der Erhebung belehrte ihn eines andern 45). 3») Japikse a. a. O., S. 20, Krämer a. a. O. 40) Archivo general Simancas, Sección Estado, Legajos K 1663 D 23, No. 111 und 119. 41) Krämer a. a. O. 42) Archivo general Simancas, Sección Estado, Legajos K 1663 D 23, No. 116. «) Griffet a. a. O., Band III, S. 440. 44) Siehe Anmerkung 42, No. 119. «) Ebendort, No. 122.

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