Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 17/18. (1964/65)

MIYAKE, Masaki: J. M. Baernreither und „Mitteleuropa“. Eine Studie über den Nachlaß Baernreither

368 Masaki Miyake Nachdem Baernreither noch im Oktober und November Gespräche über verschiedene Aspekte der Mitteleuropa-Frage mit profilierten Persönlich­keiten wie Otto Hoetzsch, dem Spezialisten für osteuropäische Geschichte, dem Nationalökonomen Gustav von Schmoller und Julius Wolf, dem Be­gründer des „Mitteleuropäischen Wirtschaftsvereins“, geführt hatte-’3), verfaßte er schließlich im Frühjahr 1915 ein ausführliches und gründliches Memorandum mit dem Titel „Exposé über das wirtschaftspolitische Ver­hältnis der Monarchie zu Deutschland nach dem Kriege“* 23 24). Diese Schrift sollte bei einer Zusammenkunft des Kreises um Gustav Marchet, des ehemaligen Unterrichtsministers25), als Diskussionsgrundlage dienen. Diesen Kreis bezeichnet Redlich in seinem Tagebuch als „Marehet- Komitee“ 26). Am 23. März wurde der Text dieses Exposés auch wirklich zum ersten­mal in diesem Kreis in Abwesenheit Baernreithers (er war gerade an die­sem Tage krank) erörtert und durchdiskutiert. Anwesend waren: Marchet, Franz Klein27), Eugen von Philippovich28), Richard von Wettstein29), Otto Lecher 30), Stephan Licht31), Max von Tayenthal, Richard Riedl, Ernst der Konferenz Referate zu erstatten wären, die dann im Herbste d. J. die konkrete Grundlage für eine weitere Diskussion zu bilden hätten ... Die Referate, deren Erstattung in Aussicht genommen wurde, beziehungsweise die Referenten, sind folgende: 1. Über die Stellung der Deutschen zu den Magyaren, bzw. zu den anderen Nationalitäten im Zusammenhang mit der Ordnung unseres Verhältnisses zu Ungarn. Referent: Abg. Dr. Freissler. 2. Über das Verhältnis Bosniens und der Herzegowina zu Dualismus. Refe­rent: Exzellenz Dr. Baernreither. 3. Über unser Verhältnis zu Deutschland. Referent: Sektionschef Riedl. 4. Über die Frage eines langfristigen Ausgleiches. Referent: Abg. Dr. Leohner. 5. Über die direkte und indirekte Besteuerung in ihrer Beziehung zum Aus­gleich. Referent: Abg. Dr. v. Licht. 6. Über die Eisenzölle. Referent: Abg. Dr. Urban. 7. Über die Revision unserer Industrie- und Agrarzölle. Referent: Dr. v. Tayenthal. 23) Meyer, a. a. 0., S. 140 f. 24) Nachlaß Baernreither, Karton 30, Fol. Nr. 269—295. 25) Dr. Gustav Marchet (1846—1916): Univ.-Prof., 1891—1897 und 1901— 1907 Mitglied des österr. Abgeordnetenhauses, seit 1908 Mitglied des österr. Herrenhauses, 1906—1908 Unterrichtsminister. 26) Schicksals jahre Österreichs, Bd. II, S. 36. 27) Dr. Franz Klein (1854—1926) : seit 1905 Mitglied des österr. Herren­hauses, 1905—1908 und 1916 Justizminister. 26) Eugen von Philippovich (1858—1917): Professor für politische Ökonomie an der Universität Wien, seit 1909 Mitglied des österr. Herrenhauses, vgl. An­merkung 75. 29) Dr. Richard von Wettstein (1863—1931): seit 1917 Mitglied des österr. Herrenhauses, 1917 Präsident der „Österreichischen Politischen Gesellschaft“. 30) Dr. Otto Lecher: Handelskammersekretär, Mitglied des österr. Ab­geordnetenhauses. 31) Dr. Stephan Licht: 1901—1908 Mitglied des österr. Abgeordnetenhauses.

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