Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 17/18. (1964/65)

CSÁKY, Móric: Österreich und der Modernismus. Nach den Berichten des österreichischen Botschafters am Vatikan 1910/11

Österreich und der Modernismus 335 stato chiesto dal recente Motu proprio pontificio, fosse prescritto soltanto per i professori delle Universitä cattoliche direttamente dipendenti dali’ Episcopato, od anche per i professori cattolici delle Universitä dipendenti dallo Stato, si é risposto da Roma che naturalmente la prescrizione riguardava soltanto i primi; e questo é tutto“ 42). „Dieses .natürlich’“ kommentiert Szécsen am 1. Dezember in einem Bericht an Aehrenthal, „dürfte bei uns und anderwärts viele Leute überraschen; hat ja doch der Erzbischof von Prag die Professoren an den staatlichen Universi­täten seiner Diözese zur Ablegung des Eides eingeladen“ 43). Ganz überraschend kam aber der Stimmungswechsel Pius’ X., der sich in einem Schreiben an Kardinal Fischer vom 31. Dezember 1910 äußerte — publiziert in der Correspondence de Rome, — in welchem der Papst mit äußerst scharfen Worten gegen die Eidesverweigerer Stellung nimmt: „ils restent misérablement asservis iau jugement des hommes, cräignant lächement l’autorité de ceux qui crient ...“ zitiert Szécsen in seinem Brief vom 31. Jänner 1911. Der Botschafter glaubt den Grund für den raschen Stimmungswechsel des hl. Vaters bei seinen Ratgebern zu finden: „Im Vatican gibt es eine sehr einflußreiche intransingente Partei, die mit großer Consequenz ihre Ziele verfolgt. Wird der Papst, wie dieses kürz­lich durch Nuntius Frühwirth und Gardinal Fischer geschah, darüber aufgeklärt, daß gewisse Maßregeln in einzelnen Ländern schwerwiegende Bedenken hervorrufen, so ist er gerne bereit, denselben Rechnung zu tragen. Nach einiger Zeit gewinnen aber die täglich mit Ihm verkehrenden Elemente immer wieder die Oberhand über die ausländischen Ratgeber“. Der scharfen Stellungnahme des Papstes folgten heftige Vorstellun­gen des preußischen und bayrischen Gesiandten an der Kurie. Haben diese wiederum einen Stimmungswechsel hervorgerufen? Denn die Antwort Staatssekretär Merry diel Vals vom 10. Februar 1911 auf einen Brief Kardinal Kopps vom 6. Februar besagt soviel, daß der Papst die Eidverweigerer „nicht tadeln könne ... Dieselben würden in diesem Falle nur von der wohlwollenden (!) päpstlichen Interpretation der be­treffenden Verordnung Gebrauch machen, was ihr Recht sei44). 42) Osservatore Rotnano vom 1. Dez. 1910. cs) In ähnlichem Símmé beeilte sich auch Mgr. Dr. Franz Heiner, Uditore der Rota Romana, die Verpflichtung zum Antimodemisteneid auszulegen, im: Die Maßregeln Pius X. gegen den Modernismus nach der Enzyklika Pascendi vom 8. Sept. 1907 in Verbindung mit dem Motu proprio vom 1. Sept. 1910 (Paderborn 1910) 44) Szécen an Aehrenthal vom 20. Febr. 1911. In einem streng vertraulichen Bericht Botschafter von Szögyénys aus Berlin vom 11. April 1911 wird dem Außenminister berichtet, Kardinal Kopp hätte sich ihm gegenüber in ungün­stiger Weise über den Kardiinalstaatssekretär geäußert. „Wie es scheint, ist der Fürst-Bischof mit der ganzen Tätigkeit des Kardinalstaatssekretärs nicht einverstanden und wirft ihm unter anderem vor, daß er Schuld daran sei, daß von der beabsichtigten Einführung des Antimodernisteneides der deutschen Regierung vorher keine vertrauliche Mitteilung gemacht worden sei“.

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