Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 17/18. (1964/65)

CSÁKY, Móric: Österreich und der Modernismus. Nach den Berichten des österreichischen Botschafters am Vatikan 1910/11

332 Móric Csáky berichtete Aehrenthal dem Unterrichtsminister erst am 12. November von den Vorschlägen und Anregungen des Botschafters, ohne dessen Namen zu nennen. Die Antwort Strügkhs vom 14. November zeigt, daß dieser tatsächlich mit einem Bischof über die Sache gesprochen hat 39): „Ich habe in entsprechender streng vertraulicher Form das Benehmen mit einem hervorragenden Teilnehmer der bischöflichen Konferenz pflegen lassen und glaube aus der Aufnahme, welche dies fand, schließen zu dürfen, daß diesem wichtigen Gegenstände nicht nur besondere Be­achtung geschenkt werden wird, sondern daß auch die so vermittelten Impulse vollauf gewürdigt werden dürften“. — Die Protokolle der * 3 mit dem akademischen Wesen unvereinbar und als ein Grund bezeichnet werden, die Zugehörigkeit der theologischen Fakultät zur Universität noch nachdrück­licher zu bekämpfen“. 3. Das Schreiben der Wiener Theologischen Fakultät datiert vom 6. Novem­ber und itat von Dekan Prof. G. Reinhold unterzeichnet. Unter anderem wird ausgeführt: „Die Gesamtheit der angeordneten Maßnahmen (jährliche Eides­ablegung und jährliche Vorlegung der Thesen und Lehrtexte) stellt einen neuen Modus kirchlicher Überwachung dar, welcher die Stellung der theologischen Fakultät und ihrer Lehrer im Organismus der staatlichen Universität tief berührt und deren Gefährdung ernstlich zu fördern geeignet erscheint“. Schon bisher seien die Theologischen Fakultäten wegen ihrer Abhängigkeit vom kirchlichen Lehramt bekämpft worden. Die jetztigen neuen Forderungen würden sie aber an dien Universitäten unmöglich machen. Unid das Schreiben schließt mit vier Bemerkungen: 1: der Staat vertraue den Professoren, die Kirche nicht, 2. die Einsendung von Kollegien sei dem herrschenden akademischen Leben fremd, 3. wenn die professio fidei bei Antritt einer Professur nicht genüge, habe auch eine alljährliche Eideswiederholung keinen Sinn, 4. eis be­stünde die Gefahr zu Angriffen von weltlicher Seilte und nicht zuletzt zur Inkorporation der evangelischen theologischen Fakultät in die Wiener Uni­versität! — Die Antwort der Bischofskonferenz ersehen wir aus dem Referat Fürstbischof Schusters, vom 10. November: ein Ausscheiden der Theol. Fakultät könne milcht durch einen Eid, sondern nur durch die Regierung bewerkstelligt werden. Der Eid sei ein Akt der Gottesverehrung, der in keiner Weise eine soziale Geringerstellung gegenüber den weltlichen Kollegen nach sich ziehe. Die Kirche besitze noch andere Überwachungsmittel als den Eid, der ja wie gesagt — ein Akt der Gottesverehrung sei. „Aus dem Gesagten ergibt sich also, daß die v or gebrachten Bedenken und Einwendungen so schwach und gewichtlos sind, diaß sie bei ,Männern der Wissenschaft“ kaum ernst genommen werden können. Es scheint vielmehr, daß ein gewisser innerer Widerwille, ob bewußt oder unbewußt, gegen die rückhaltlose Unterwerfung unter die kirch­liche Autorität oder eine falsche Scheu sich öffentlich als gehorsamer Sohn der Kirche zu bekennen, das Hauptmotiv der ablehnenden Haltung sei. In beiden Fällen aber ist die Ausiführung der päpstlichen Anordnungen eine heilsame Remedur“ ! Dagegen wird ausdrücklich festgestellt, daß das Leaeverbot das spätere Wirken der jungen Priester und die katholische Presse schädigen. Der Hl. Vater möchte daher ersucht werden, die Auslegung dieses Verbotes dem Gutdünken der Ordinarien zu überlassen. 30) Welcher Bischof? Akten im Unterrichtsmin. unter Verschluß bzw. unauf­findbar.

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