Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 17/18. (1964/65)

CSÁKY, Móric: Österreich und der Modernismus. Nach den Berichten des österreichischen Botschafters am Vatikan 1910/11

Österreich und der Modernismus 325 dem „Hochland“ (C. Muth) und dem konservativen „Gral“ (R. v. Kra- lik), sowie der Konflikt um Enrica Handel-Mazzetti nicht unerwähnt bleiben. Eine eigentliche Kampagne gegen die Neuerer begann erst unter dem Pontifikat des Nachfolgers Leo XIII. Ob die immer mehr zuneh­mende „Modernistenschnüffelei“ in der Art, wie sie gehandhabt wurde, auch wirklich berechtigt und notwendig war, möge hier dahingestellt bleiben. Sicher ist, daß sie nicht gerade das beste Licht auf den Sarto- Papst werfen wird, mag sie auch von dessen hirtenamtlicher Sorge getragen gewesen sein. — Die zwei wichtigsten Verurteilungen des Modernismus erschienen im Jahre 1907: am 3. Juli veröffentlichte das Hl. Offizium das Dekret „Lamentabili“ 10 11 *), auch „Neuer Syllabus“ ge­nannt, da hier, ähnlich den Vorgängen des Jahres 1864, 65 Sätze der Modernisten verurteilt werden. Am 8. September folgte dann die Enzyklika „Pascendi Domini Gregis“ X1), deren Verfasser wohl die Kardinäle L. Billot SJ und J. B. Lemius OMI gewesen sein dürften. Charakteristisch für diese Enzyklika ist, daß sie den Modernismus in ein geschlossenes System zu zwängen sucht, das keineswegs zu über­zeugen vermag. Ein weiterer entscheidender Schritt in der Bekämpfung modernisti­scher Irrtümer war das Motu proprio „Sacrorum antistitum“ vom 1. September 1910 mit dem in diesem enthaltenen Antimodernisten- eidia). Gerade dieser sollte klandestine Modernisten treffen — lite­rarische Fehden wurden zum Großteil unter Pseudonymen geführt — und die junge Geistlichkeit von Anfang an von möglichen Fehlern abschirmen. — Der Inhalt des Motu proprio betraf zunächst verschiedene a. a. a S. 361 himweiisen: „Es waren Männer, die zweifellos die lautere Absicht hatten, die geistigen Strömungen ihrer Zeit aus sitreng katholischem Geist heraus zu gestalten und zu beeinflussen, die aber aus dieser integralistiischen Haltung über das Ziel hiinausschossen und im Reformkatholizismus den Modernismus witterten“. Über die Tätigkeit A. Mauss* in Rom vgl. Fr. Engel-J anosi a. a. o. S. 144 ff. Interessant ist das im Februar 1914 geäußerte Lob Pius X. für das integralistischie „Sonntagsblatt“: von allen Wiener Zeitungen verteidige dieses allein den streng päpstlichen Standpunkt; er, der Papst, könne sich durch ein Vorgehen gegen dieses nicht selbst ent­waffnen! (S. 147). Vgl. noch Fr. Engel-Janosi, Österreich und der Vatikan während des Pontifikats Pius X. unld der Wahl Benedikts XV., in: MIÖSTA 5 (1952) S. 278—301 (besonders S. 288 f.). lu) ASS 40 (1907) S. 470—478. — Denzinger S. 669—74 Nr. 3401— 3466. — Vgl. LThK VI2 765 (J. Beumer). 11) ASS 40 (1907) S. 593—695. — Denzinger S. 675-83 Nr. 3475— 3500., Vgl. LThK VIII2 126—127 (H. Stiemimann). Das Urteil Rivieres: „Nur wenige kirchliche Dokumente weisen eine so methodisch gestraffte Form auf“ (126). 12) AAS 2 (1910) S. 655 ff. Vgl. LThK I2 640—641 (J. Pilz) und RGG I3 451 (K. G. Steck).

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