Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 17/18. (1964/65)

RAUCHENSTEINER, Manfried: Das sechste österreichische Armeekorps im Krieg 1809. Nach den Aufzeichnungen des FZM Johann Freiherr von Hiller (1748–1819)

204 Manfried Rauchensteiner meine Verschanzungen nicht einmal angegriffen, sondern daß solche aus Ursache weil der linke Flügel geworfen und aus seiner Stellung verdrängt worden, habe verlassen werden müssen, d|a der Feind solchen schon in den Rücken gekommen war. General Wimpffen, wenn selber 10 Tage eher in diese Gegend, wo die Verschanzung in der Au hat angelegt werden müssen, gekommen wäre, würde haben mit kleinen Schiffen dahin fahren müssen, weil solche im Wasser gestanden. Das Sägewerk angegen war umso überflüssiger, denn wenn es schon einmal dem Feind geglückt hätte, sich von der Au der Donau und den Auen (der) rechts von Aspern errichtet wordenen Redouten zu bemeistern, dieses Sägewerk 'alsdann den im Rücken befindlichen Feind nicht würde aufgehalten haben. Doch es schien durch dergleichen gesuchte Aufstellung, von deren Wichtigkeit man sich wohl in einem Zeitraum von 6 Wochen hätte dile Überzeugung verschaffen können, als die Armee so ganz untätig gestanden und von mir mancher Vorschlag gemacht wurde, sich bloß eine Ursache zu verschaffen, um bei einem Ereignis jemandem die Schuld zuschreiben zu können. Ich fand bei diesen Umständen für notwendig, die Disposition (vom 3. Juli) herauszugeben, nach welcher die Position und überhaupt der Dienst vom 3. Juli angefangen zu geschehen haben werde. Der E. H. Generaliss. K. H. befand sich den ganzen Tag am 1. und 2. Juli fast immer in Stadl Enzersdorf und eben auch zu der Zeit, als der Feind den Hansel Grund genommen und Enzersdorf aus seinen Batterien mit schwerem Geschütz zu beschießen angefangen. Es war ja kein Geheimnis mehr, daß der Feind auch schon eine ordentliche Brücke aus der Lobau auf den Hansel Grund geschlagen hatte und daß durch den Besitz dieser Insel unsere Kommunikation von der vorderen Redoute Nr. 10 mit Enzersdorf nicht mehr benutzt werden konnte, ja daß selbst die ganze Aufstellung bei Nr. 19 dem feindlichen Feuer ausgesetzt gewesen. Mit einem Wort, es zweifelte schon kein Mensch mehr, daß der feindliche Angriff nur bloß auf unseren linken Flügel gerichtet seit Doch alles dieses half nichts; anstatt daß man alles mögliche hätte anwenden sollen, die verlorenen Vorteile auf unserem schwachen linken Flügel wieder zu gewinnen, erschien den 3. Juli die Disposition, nach welcher leider die ganze Armee ihre alten Stellungen zu beziehen hatte. Es blieb denn auch die Linke wieder als eine Avant­garde schwach besetzt, ich mit meinem Korps auf dem alten Platz und der Feind war auf dem diesseitigen Ufer mit errungenem Vorteil. — Ob dieses nun der Augenblick war, die Armee wieder in ihre Position zurückzuziehen, konnte sich wohl nur durch Aufstellung der folgenden Ursachen beantworten. Bekommt der Feind Gelegenheit und erlaubt man selbem, unseren linken Flügel zu verdrängen, so ist auch die ganze Aufstellung des

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