Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 17/18. (1964/65)

RAUCHENSTEINER, Manfried: Das sechste österreichische Armeekorps im Krieg 1809. Nach den Aufzeichnungen des FZM Johann Freiherr von Hiller (1748–1819)

189 Das sechste österr. Armeekorps im Krieg 1809 war ich beschäftigt, die Truppen, welche durch die verschiedenen An­griffe und den erlittenen Verlust waren aus ihrer Ordnung gebracht worden, wieder in eine Odre de Bataille aufzustellen und wurde auch damit bis 9V2 Uhr abends fertig, während meine Vortruppen und Detache­ments (den Feind) verfolgt hatten. — Den 23. in der Früh kamen S. Majestät und besahen das Schlachtfeld und Aspern, während ich wieder auf meiner Linken in den Auen mich befand; die Ankunft wurde mir gemeldet und bei meiner Zurückkunft waren S. Majestät schon fortge­ritten, meine Truppen angegen standen mit mir zu diesem allerhöchsten Empfang bereit, als mir der Befehl gekommen war, daß S. Majestät nicht mehr kommen, sondern ich sollte mich sogleich zu S. K. H. dem E. H. Generaliss. nach Breitenlee begeben. Bei dem Eintritt, als mich S. K. H. der E. H. Generaliss. sahen, rief er mich in das Zimmer zu S. Majestät, dem Kaiser und stellten mich mit diesen Worten vor: „Ich empfehle Euer Majestät hier diesen braven, würdigen General, welchem ich sehr viel zu dem erfochtenen Sieg zu ver­danken habe“. S. Majestät machten mir wie gewöhnlich Ihre gnädige Neigung und ich, ohne etwas anderes zu reden, bat den Monarchen mit diesen Worten: „Euer Majestät! Dies ist der glücklichste Tag, welchen Höchstdieselben erlebt haben; der Feind ist nicht nur geschlagen, sondern vernichtet; vollenden Euer Majestät dieses große Werk und geben Europa die allgemeine Ruhe durch das, wenn dieses glückliche Ereignis benutzt wird. Schicken Euer Majestät Generale und Stabsoffiziere in alle Länder, lassen Sie allenthalben die Sturmglocken läuten, alles aufbieten, diesen geschlagenen Feind vollends zu vernichten; die Insurrektion, sie mag mit was immer bewaffnet sein, nur vorrücken und mit der so braven Armee <mf den Feind losgehen; in acht Tagen ist selber vernichtet und Euer Majestät werden selbem Gesetze und den Frieden vorschreiben“. — Die Antwort war: „Ja, ja. Sie haben recht“. Nach einigen Minuten wurde ich entlassen und verfügte mich wieder zu meinen Truppen. Das Wasser war wegen den in den Gebirgen gefallenen Regen und geschmolzenem Schnee dergestalten angewachsen, daß fast alle Auen überschwemmt waren, daß die Brücke über die Donau in die Lobau ab­gerissen worden, daß in der Lobau nur einige Flecke waren, wo sich die geschlagene feindliche Armee aufstellen konnte. Kaiser Napoleon und mehrere Marschälle wurden nur mit Schiff übersetzt und überdies waren die Truppen dem gänzlichen Mangel an allen Nahrungsmitteln ausge­setzt. Das Schlachtfeld, vorsonderlich gegen Aspern und die Auen von Aspern voll Leichen war und die Armee stand auf diesem Schlachtfeld aufgestellt; es war niemand zu finden, der nur im mindesten über Tod oder Gefahr und Not geklagt hätte, ja man hörte nichts anderes als Vivat rufen und gegen Abend, den 23. Mai, war fast kein Regiment zu finden, wo nicht bei der türkischen Musik, selbst dort, wo man die toten Leich­name hat auf die Seite schaffen müssen, wäre getanzt worden. Ja, dieser

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