Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 17/18. (1964/65)

RAUCHENSTEINER, Manfried: Das sechste österreichische Armeekorps im Krieg 1809. Nach den Aufzeichnungen des FZM Johann Freiherr von Hiller (1748–1819)

Das sechste österr. Armeekorps im Krieg 1809 187 tion nicht aufzuliegen, weil ich mich nur durch die zweckmäßige Auf­stellung derselben (gemeint: Artillerie) und durch derselben außeror­dentliches Feuer im Stande war, zu erhalten und 6 Mal Aspern mit einer so schwachen Truppe zu nehmen und auch zugleich von allen Auen Meister zu bleiben, welches ich vorsonderlich den Jägern unter dem Major Schneider, den 3 Wiener Frei Bataillonen unter Steigentesch und Küffel, dem Warasdiner St. Georger Bataillon unter ObristLt Cholitz und der Verwendung von 2 12pfündigen Kanonen zu verdanken hatte. Der Feind, wie gesagt, behauptete noch immer den Graben und unsere Armee war schon wieder vorgerückt. Ich ritt zu der Division des FML Vogelsang und forderte denselben auf, mit einer Brigade den Feind mit gefälltem Bajonette (aus diesem Graben zu werfen), durch dessen Besitz nicht allein alles gewonnen, sondern selbst unserem linken Flügel leichter sein würde, Eßling, welches der Feind noch nicht ver­loren hatte, zu nehmen. Diese Herrn, das ist Vogelsang und Weiß, zeigten jedoch keine Lust zu dieser Arbeit. Aufgebracht und voll Verdruß ritt ich zu dem E. H. Generaliss. K. H. und sagte ihm, daß wir auf diese Art, wenn nicht jeder seine Schuldigkeit tun werde oder will, schwerlich den Feind schlagen werden und daß ich bereits das 6. Mal mit großem Verlust Aspern genommen hätte, wenn ich's jedoch noch einmal verlieren sollte, dann nicht mehr im Stande sein würde, solches zu nehmen und die Schlacht ganz sicher müsse verloren gehen. Der E. H. Generaliss. K. H. baten mich mit den Worten, „Mein lieber Hiller, ich bitte Sie, hauen Sie alle, welche Ihnen nicht gehorchen, nieder, schießen Sie selbe über den Haufen, kassieren Sie solche, nur machen Sie , daß die Truppen an den Graben kommen“. Er ritt noch eine Strecke mit mir in das Feuer; ich eilte zu dem Regiment E. H. Rainer und das daran stoßende, forderte die Stabs Offi­ziere auf und setzte mich a la tété zu dem Angriff auf den Graben. Ohne viel zu schießen, zwang ich die Truppen vorzurücken und in einer halben Stunde war ich Meister vom Graben und hatte den Feind verdrängt. Ich ließ wieder meine Kanonen mit Duca in diese Flanke vorrücken und durch dieses Flanken Feuer wurde denn der Feind gezwungen, sich in der Plains mit großem Verlust zurückzuziehen. Die Truppen von der Armee rückten auf dieses Ereignis auch mit Geschütz vor und in einer Stunde war der feindliche Rückzug allgemein. Allein nur schade, daß bei keinem von den übrigen Korps Artillerie oder Munition vorrätig, weder jene von der Armee in der Nähe war, sonsten würde der Feind gänzlich abimiert geworden sein. Doch aber erhielt, wie die Relation zeigen wird, Oberst Smola von der Artillerie das Kommandeur Kreuz. Nun mag 7 Uhr abends gewesen sein, als der E. H. Generaliss. K. H. zu mir kamen und ich selbem zu dem nunmehr erfochtenen Sieg über den Kaiser Napoleon Glück wünschte und nur bat, selben auf das lebhaf­teste zu verfolgen und mit Geschütz in die Lobau zu feuern. Er dankte mir mit den Worten, nahmen mich bei der Hand und sagte: „Ich danke

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