Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 17/18. (1964/65)

RAUCHENSTEINER, Manfried: Das sechste österreichische Armeekorps im Krieg 1809. Nach den Aufzeichnungen des FZM Johann Freiherr von Hiller (1748–1819)

170 Manfried Rauchensteiner geblieben und 9878 Verwundete nach Linz in das Spital gebracht worden und also der Verlust des Feindes bei diesem mörderischen Gefecht an Gefangenen, Toten und Blessierten aus 14.725 Mann bestanden1). Ich fordere die Welt zum Zeugen auf, ob mein Betragen bis zum 4. Mai nicht eine ausgezeichnete Belohnung verdiente, wenn man in einer solchen Lage einen weit überlegenen Feind zwingt, seinen siegreichen Fortschritten Einhalt zu machen, wenn man so viel Zeit gewinnt, daß Millionenwerte (an) Staatsgütern in Sicherheit gebracht werden können, wenn der Feind selbst mir die Gerechtigkeit widerfahren laßt, mir den Sieg nur wegen seiner Überlegenheit entrissen zu haben; doch meine Handlung blieb unbelöhnt. Der Feind, dem ich bei diesem mörderischen Gefecht Achtung einge­flößt hatte, verfolgte mich nur mit kleinen Abteilungen und kam nicht einmal meiner Arrieregarde, wozu ich die Grenadiere widmete, in die Nähe. Ich setzte den Marsch über Enns bis Ennsdorf fort, stellte meine Truppen auf und ließ die Brücken abbrenen. Damit jedoch der Feind nicht im Stande sei, mir meinen Rückzug streitig zu machen, nachdem mir die bestätigende Nachricht eingegangen war, daß der Feind in bedeutender Stärke bei Steyr die Enns passiert habe, so blieb mir wohl nichts anderes übrig, als meinen Rückzug fortzusetzen. Ich ließ noch selbige Nacht die Herren Divisionskommandanten zu mir versammeln, und da die Zeit viel zu kurz war, die Disposition und den Marschzettel ordentlich abschreiben zu können, so wurde selber bloß den FMLs in die Schreibtafel diktiert, nämlich um welche Stunde jedwede Division und das 2. Reservekorps in die Aufstellung nach Strengberg aubzurücken hat, — Damit jedoch der Feind mich nicht so geschwind zu verfolgen im Stande und ich selben noch etwelche Tage aufhalten könnte, traf ich die Anstalten, bei Ennsdorf längs dem Wasser einen Laufgraben zu errichten und selben mit einem Batail­lon zu besetzen; dieses hätte jedoch dafür zu sorgen, wenn es auch gänz­lich aufgerieben werden sollte, daß der Feind abgehalten würde, die Enns übersetzen zu können, wenn es auch nur 36 Stunden betrüge. Diesem Bataillon gab ich nun zur Bedeckung seines Rückzugs zwei Divisio­nen Husaren von Liechtenstein, welche in der Ebene aufgestellt wurden. Obristleutnant Klopfstein von Deutschmeister wurde dieses wichtige Ge­schäft mit dem Versprechen auf getragen, daß wenn der selbe den feind­lichen Übergang durch 36 Stunden aufhalten werde, ihm dafür der Theresien Orden zuteil werden sollte. Genannter Obristleutnant erfüllte seinen Auftrag auf das pünktlichste, schlug drei feindliche Angriffe ab und zog sich nach mehr denn 36 Stunden ganz in Ordnung zurück, um sich mit den übrigen Truppen zu vereinigen. Sein Verlust bestand, ungeachtet der Feind von der Ennser Anhöhe denselben mit Wurf- und anderem Ge­schütz beschossen hatte, aus 7 Toten und 21 Blessierten. D Lt. Anhang Dok. Nr. 107 betrug der Verlust der Hiller‘schen Korps an Toten etc. 3133 Mann.

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