Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 17/18. (1964/65)

RAUCHENSTEINER, Manfried: Das sechste österreichische Armeekorps im Krieg 1809. Nach den Aufzeichnungen des FZM Johann Freiherr von Hiller (1748–1819)

168 Manfried Rauchensteiner gegen mich stünde und daß leider von allen Defensionsanstalten gar nichts vorbereitet worden sei, ich aber dennoch mich bei Linz aufzustellen und was immer nur möglich zu bewerkstelligen gedenke. Den 2. Mai bis 2 Uhr nachmittag war ich mit dem Gros der Truppen bei Linz eingetroffen, hatte selbe zwar in die Aufstellung disponiert, da jedoch noch gar nichts fertig war und die Nachrichten von der Anrückung des Feindes auf allen Seiten das Landvolk, welches zu der Arbeit bestimmt gewesen, verscheucht hatte, so war vorzusehen, daß mir der überlegene Feind nicht so viel Zeit lassen werde, diese große Arbeit vollenden zu können. Mein ganzer linker Flügel unter Kommando des FML Schusteck, welchen ich mit 10.000 Mann erwähntermaßen gegen Obernberg schon am 26. und 27. detachiert hatte, war mit dem Feind engagiert und die gegen Eferding aufgestellt wordenen Truppen desgleichen. Schon war ich entschlossen, den von Schärding herkommenden Feind anzugreifen und hatte bereits die Truppen in Marsch gesetzt, als mir die Meldung zukam, daß FML Schusteck nach wiederholten Angriffen einer überlegenen Macht gezwungen worden wäre, sich zurückzuziehen; auch habe er einen nam­haften Verlust erlitten. In eben dem Augenblick erhielt ich von S. K. H. dem E. H. Generaliss. folgenden Befehl: „Ich werde mit der Armee am 4. bei Budweis eintreffen und trachten, die Donau bei Linz, Krems oder Wien zu erreichen. Mein Zweck ist, die Vereinigung mit Ihnen zu suchen. Trachten Sie daher, Ihren Rückzug an der Donau zu nehmen und unter­richten Sie mich laufend von Ihren Verhältnissen. Berichten Sie mir auf das schleunigste, welche Marschdirektion Sie mit Ihren Truppen genommen haben, mit beiläufiger Bestimmung der Zeit, wann Sie den einen oder den anderen Vereinigungspunkt zu erreichen hoffen. Klattau, d. 30. April 1809.“ Nach den Umständen, in welchen sich mein linker Flügel befand, konnte ich also von dem Übergang über die Donau bei Linz keinen Ge­brauch machen, außer ich würde meinen ganzen linken Flügel aufopfern müssen, und in dieser Lage blieb mir demnach nur die einzige Wahl übrig, als mich über die Traun bei Ebelsberg zu ziehen und dort das Mögliche zu veranstalten, den Feind aufzuhalten und den linken Flügel zu retten. Ich erstattete in Folge dieser Umstände sonach S. M. Bericht. — Noch bevor ich von Linz abging, erhielt ich von dem Pontonier-Leutnant, wel­cher bei der Mauthausener Brücke kommandiert gewesen war, die Mel­dung, daß diese Brücke durch bayrische Schiffe zu Grunde gegangen wäre und selber nun kein Mittel wußte, solche mehr herzustellen. Ich ließ zwar die bayrischen Schiffsleute, weil der Verdacht sich äußerte, daß solche die Brücke geflissentlich durchgerissen, in Verhaft setzen. Um aber dem Feind nicht die Mittel in Händen zu lassen, sich der übrigen Schiffe zu seinem Vorteil zu benützen, ließ ich die noch übrigen Glieder nach Wien fließen.

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