Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 17/18. (1964/65)

RAUCHENSTEINER, Manfried: Das sechste österreichische Armeekorps im Krieg 1809. Nach den Aufzeichnungen des FZM Johann Freiherr von Hiller (1748–1819)

Das sechste österr. Armeekorps im Krieg 1809 157 Pferden mittels Requisition habe frisch bespannen lassen müssen und zugleich meldet, daß, wenn S. K. H. nichts anderes befehlen werde, ich das Armeekorps an der Isar konzentrieren werde, um selbes aus den Morasten des Semptbaehes herauszuziehen, ferner daß der Major Scheib- ler mit seinem Detachement bereits gegen Pfeffenhausen vorgerückt wäre und die Kanonade bei Landshut zu hören gewesen. Ich fand für notwendig, S. K. H. den auf dieses Ereignis bezughabenden Bericht aus Aich den 16. April zu erstatten, während als die Truppen des Armeekorps nach und nach anlangten. Ich rekognoszierte noch diesen Tag nachmittag die ganze Gegend und da ich schon ganz nahe gegen Landshut gekommen war, ritt ich dahin, um mit S. K. H. dem E. H, Generjaliss. selbst zu sprechen, wel­ches denn, auch während als die Truppen der Armee, um über die Isar zu passieren, bei höehstdemselben vorbei defilierten, geschah. Ich machte höchstdemselben von allem noch die mündliche Meldung, wie sehr ich auf diesem Seitenmarsch in allen Stücken gelitten und hatte auch die Gele­genheit, mich zu überzeugen, daß der Armee über das außerordentliche Defilee nach Landshut nur mit Mühe die Artillerie zu folgen im Stande gewesen. Nun ensteht noch die wichtige Frage, wenn diese Operation der Armee schon in Wien beschlossen war, warum man nicht zur Erleichterung der­selben nach meinem Vorschlag mich mit dem Armeekorps nach Tirol habe gehen lassen, weil durch diese Bewegung alles, was sich nur immer vom Feind zwischen Tirol und der Armee gefunden hätte, sogleich, um nicht Gefahr zu laufen, gefangen zu werden, hätte über den Lech und die Donau ziehen müssen. Wenn aber der Operationsplan — wie es die Um­stände zu erkennen geben — nur auf ungefähr und nach den sich erge­benden Ereignissen auszuüben bestimmt gewesen, so wäre wohl auch in diesem Fall die Operation mit einem Armeekorps sowohl für diese als die Armee in Italien vorteilhaft gewesen, weil auf alle Fälle FML Chasteler zu schwach gewesen, für das Nördliche und Südliche Tirol zu­gleich zu sorgen und durch entscheidende Operationen den Massena zu zwingen, Augsburg zu verlassen. — Wäre ich mit meinem Armeekorps einmal hinter dem Lech aufgestellt gewesen, so hätte die Armee keine solchen Hindernisse gefunden, welche im Stande gewesen wären, derselben Vorrückung aufzuhalten. Für den 17. wurde von S. K. H. dem E. H. Generaliss. eine Disposi­tion hinausgegeben, vermög welcher ich mit meinem 6. Armeekorps bei Moosburg stehen zu bleiben hatte, von der Avantgarde angegen die Patrouillen gegen Inkhofen, Zolling Nandlstadt und Mainburg zu schicken wären. Es wäre zu wünschen gewesen, daß für die Kolonnen-Magazine und die sämtliche ungeheure Armeebagage nebst den Pontons eben der Befehl gegeben worden, welcher in diesen erst genannten für die Ar­tillerie enthalten gewesen, allein leider die Folge wird zeigen, was hierinfalls geschehen. An eben dem 17. April erhielt ich von dem E. H.

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