Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 16. (1963)
CSÁKY, Móric: Die ungarische Wegtaufenverordnung von 1890. Ein Beitrag zur Geschichte des Kulturkampfes in Ungarn
Die ungarische WegtaufenVerordnung von 1890 389 wegen Erkrankung seiner Schwester, der Erzherzogin Marie-Valerie, sich in außergewöhnlich gereizter Stimmung befinde und daß er dem von der ungarischen Regierung proponierten Satz so sehr abgeneigt sei, daß er — wie er sich Szögyény gegenüber geäußert haben soll — „lieber gar nicht nach Budapest gehe und den Landtag nicht eröffne, als das Proponierte vom Thron aus zu sagen“. Am folgenden Tag, — es war der 18. Februar — wurde dann Csáky zur Audienz in die Hofburg geladen. Ministerpräsident Szapáry, den er bereits dort antraf, gab zunächst vor dem Kaiser nochmals eine Erklärung ab und meinte zuletzt, die Regierung würde sich genötigt sehen, abzudanken, wenn ihr Vorschlag nicht angenommen würde. Dann war Csáky an der Reihe. Er berief sich auf seinen Ministereid, der ihn nötige, stets nach bester Einsicht zu handeln. Hier nun müsse er — was ihm sehr leid tue — einen der Meinung des Kaisers gegensätzlichen Standpunkt einnehmen. Besonders in letzter Zeit hätten sich die Klerikalen in Hetzkampagnen unaufhörlich auf Seine Majestät berufen und daher sei ein mahnendes Wort in der Thronrede unbedingt nötig. „Ich konnte aber in meiner Rede nicht fortfahren“, erinnert sich Csáky an den dramatischen Augenblick, „da Seine Majestät von Anfang an eine sonst nie wahrnehmbare, auffällige Nervosität und Ungeduld zeigte und mich fast vehement unterbrach: .Alles umsonst, ich werde und kann nicht sagen, was Sie wünschen — ich werde nicht vom Thron aus den Kulturkampf proklamieren •— bedenken Sie, daß Sie, falls Sie an Ihrem Vorschlag festhalten, eine unerhörte Situation schaffen, indem dann nämlich wenige Tage vor Eröffnung des Landtages eine Regierungskrise eintritt — die Rekrimination ist jetzt vollkommen überflüssig (ich hatte von Geistlichen gesprochen) — Sie müssen jetzt entscheiden, ob die Regierung bleibt oder nicht bleibt!“' Csáky suchte den Kaiser zu beruhigen, daß er mit dem proponierten Satz ja gerade den Kulturkampf vermeiden wolle. „Darauf von neuem eine Unterbrechung und mit noch gereizterer Stimme jene Erklärung, die ich auch heute noch nicht ganz verstehe: ,Ich weiß gar nicht, wie Sie dazukommen, einen solchen Vorschlag zu machen — Sie sind doch in dieser Frage nicht kompetent! Übrigens ist es schade, Worte zu verlieren — bestehen Sie auf Ihrem Vorschlag? Ja oder nein?“ Als der Minister bejahte, trat — nach seiner eigenen Beschreibung — „eine ihm peinliche, mir sehr lange scheinende Pause ein, die dadurch ein Ende fand, daß der König zwischen den Papieren auf seinem Schreibtisch herumsuchte, eines in die Hand nahm und nach einer kleinen Weile mit ruhigerer Stimme sagte: ,Das hat Pápay gemacht. Meiner Meinung nach ist zwar auch das noch überflüssig, aber schließlich könnte ich es sagen, wenn Sie unbedingt wollen, daß ich etwas sage'“. Die Fassung Pápays schien Csáky zwar längst nicht das auszudrücken, was er gesagt haben wollte, „es war eine allgemeine, fast banale Phrase von dem immerwährenden guten Einverständnis