Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 15. (1962)

MISKOLCZY, Julius: Das Institut für ungarische Geschichtsforschung in Wien und seine Publikationen

Rezensionen 599 Begriff, der, worauf schon Grundmann hingewiesen hat, auch nach dem Investiturstreit nicht nur in dter konkreten, von R. verwendeten Bedeutung gebraucht wird. Unabhängig von dieser prinzipiellen Frage, die damit von R. aufgeworfen wird, hat die Darstellung dieser ereignisreichen Periode der Reichspolitik ihre Gültigkeit behauptet und ihre in Fachkreisen längst erfolgte Einreihung unter die klassischen Leistungen der modernen Hi­storiographie neuerdings gerechtfertigt. Gerhard Rill (Wien). M i s k o 1 c z y Julius, Ungarn in der Habsburgermonarchie. Wiener historische Studien, hrsgg. von Karl Eder, Graz, Hugo Hantsch, Wien, und Hans Kramer, Innsbruck. Band V. Verlag Herold, Wien—München 1959, 211 Seiten. Mit diesem Werk des inzwischen leider verstorbenen bedeutenden un­garischen Historikers ist ein neuer Weg beschritten worden. Die Ge­schichtsschreiber der letzten hundert Jahre — in Österreich wie in Ungarn — haben gewissenhaft das Schuldkonto des Partners aufgezeichnet. Bei den oft nur zu berechtigten Vorwürfen der Vertreter der beiden Reichs­hälften ist aber die Gemeinsamkeit des Geschicks durch lange Jahrhunderte zu kurz gekommen, die aus den beiden so verschiedenartigen Gebilden die Großmacht des Habsburgerreichs erstehen ließ und beiden Teilen neben Opfern und Zurücksetzungen auch nicht zu unterschätzende Vorteile ge­bracht hat. Julius Miskolczy hat es nun als einer der ersten unternommen, viele der aufgetürmten Vorurteile beiseitezuräumen und endlich die Stand­punkte beider Reichshälften gemeinsam zu berücksichtigen und gegen­einander abzuwägen. Er war dazu wie kein anderer berufen. Als Ungar hat er lange in Wien gelebt und gelehrt und ist schließlich österreichischer Staatsbürger geworden. Sein Magyarentum freilich leugnet er in keiner Zeile und hat so wohl auch den ungarischen Belangen mehr Gewicht ge­geben als der Gegenseite. Aber das unfruchtbare Gezänk ist endlich beendet und es wird von nun an niemand mehr so ausschließlich in die frühere Schwarzweißmalerei zurückfallen können. Der österreichische Historiker wird aus diesem leidenschaftslos und stets mit dem ehrlichen Willen zur Herstellung des gerechten Gleich­gewichts geschriebenen Buch viel lernen können. Unangenehme Wahr­heiten und plausible Erklärungen der ständig wachsenden Unzufriedenheit der Magyaren werden angeführt, die bisher in den magyarischen Ge- schiehtswerken von einem so einseitig nationalen Standpunkt aus vor­gebracht wurden, daß sie leicht als zu parteiisch abgetan werden konnten. Hier aber kommen stets beide Seiten zu Wort und das dabei entstehende Gesamtbild wird seine Gültigkeit auch dann behalten, wenn einige Akzente versetzt und einige österreichische Argumente stärker betont werden. Die Hauptstärke des Vf. liegt in seiner genauen Kenntnis der Wirt­schaftsgeschichte und in der vollkommenen Beherrschung beider Sprachen, die in Österreich leider kaum zu finden ist. Natürlich gelingt es auch hier nicht ganz, das Denken in einer fremden Sprache zu verleugnen. Die ge­ringen Schwierigkeiten, die der Leser deshalb auf sich nehmen muß, wer­den durch den Inhalt reichlich aufgewogen. Die Geschichte der Beziehungen der beiden Länder in der Neuzeit be-

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