Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 15. (1962)

WINTER, Otto Friedrich: Österreichische Pläne zur Neuformierung des Reichstages 1801–1806

306 Otto F. Winter den, gestört werde. Graf Stadion wieder sah gerade darin eine Waffe gegen den Grafen von Görz, der gefunden hatte, es sei „doch nicht er­träglich, daß die Stimmen der Oesterr. Fürsten so ganz von dem K. K. Hofe dictirt werden“, kritisierte aber „die Aufstellung von Supplemen- tarstimmen“ und den Umstand, daß „nun eine solche Menge von Plänen entstanden“ sei, „daß es selbst den Comitialen schwer wird, sich zwi­schen den alten und neuen vorgeschlagenen Stimmen herauszufinden“. Diese kritischen Äußerungen lösten die in unfreundlichem Ton gehaltene Erinnerung Wiens an Fahnenberg aus, daß er am 10. November ver­pflichtet worden sei, sich an die Anordnungen des Freiherrn von Hügel zu halten; dieser rechtfertigte sich am 15. Jänner 1804 dahin, er habe den Entwurf der Abstimmung Freiherrn von Hügel mitgeteilt, aber ohne Bemerkung von diesem nach einigen Tagen zurückgestellt erhalten, auch sei die Abstimmung beifällig aufgenommen worden und stimme im we­sentlichen mit der österreichischen vom 14. November überein119). Während der Weihnachtsferien, die bis 8. Jänner 1804 dauerten und eine gewisse Beruhigung der Atmosphäre brachten, beschäftigten sich die Gesandten mit anderen Aspekten des Problems. Fahnenberg son­dierte die Meinung des preußischen und bayrischen Gesandten, die beide einem Vergleich nicht abgeneigt schienen, aber darauf hinwiesen, daß sie von ihren Höfen auf ihre Berichte noch keine Antwort erhalten hät­ten; es scheine ihnen daher zweckmäßig, wenn Österreich mit München und Berlin direkten Kontakt aufnehme. Graf Stadion ersuchte um eine neue Instruktion darüber, welcher der verschiedenen Stimmenpläne in der „endlichen Konklusion“ geltend gemacht werden sollte. Der Staats­kanzlei machte Fahnenberg angesichts der Möglichkeit, daß von der Mehrheit demnächst die Ziehung des Schlusses verlangt werden könnte, Vorschläge über die verschiedenen Möglichkeiten zur Hinauszögerung einer Entscheidung darüber durch ihn als Direktor des Fürstenrates und über die praktische Durchführung der „itio in partes per majora“, wenn alle anderen Mittel, einen negativen Schluß aufzuhalten, erschöpft seien, und bat um Genehmigung derselben120). In ähnlicher Weise fragte Frei- * 12 119) StK., Regensburg, Prinzipalkommission, Berichte, Fasz. 8, fol. 598—601, und Reichskanzlei, Prinzipalkommission, Berichte, Fasz. 177 d, fol. 334—338. Bericht Stadions vom gleichen Tage, StK., Regensburg, böhmische Gesandtschaft, Berichte, Fasz. 152, fol. 203—211. — StK., Regensburg, österr. Gesandtschaft, Weisungen, Fasz. 14, fol. 154. Bericht Fahnenbergs, StK., Regensburg, österr. Gesandtschaft, Berichte, Fasz. 241, fol. 600—601. 12°) Bericht Stadions vom 18. Dezember 1803, a. a. 0., Berichte Fahnen­bergs vom 17. Dezember, a. a. 0., und 24. Dezember 1803, StK., Regensburg, österr. Gesandtschaft, Berichte, Fasz. 241, fol. 465—470. — Stadion berichtet auch, daß nach Angaben des kurerzkanzlerischen Gesandten in Berlin, Grafen Hatzfeld, Minister Graf Haugwitz erklärt habe, „sein Hof habe kein lebhaftes Interesse, in der Virilstimmensache seine Anträge gegen die des K. K. Hofes durchzusetzen“ (StK., Regensburg, böhmische Gesandtschaft, Berichte, Fasz. 152, fol. 5—6, vom 3. Jänner 1804).

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