Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 15. (1962)

SPRUNCK, Alphonse: Prinz Eugen als Generalstatthalter der österreichischen Niederlande

150 Alphonse Sprunck dadurch würde der Handel der niederländischen Provinzen mit den Erb­ländern der Monarchie nicht begünstigt, wohl aber die belgische Industrie sehr gefördert werden, woraus dem Staatsschatz großer Vorteil erwachsen würde. Eugen sah die Bevölkerung der Niederlande als sehr fleißig an47); die Wiener Regierung brauche nur die nötigen Maßnahmen zu treffen, um ihre Tätigkeit zu begünstigen. Gleich nach der Besitznahme der früheren spanischen Niederlande durch Österreich hatte ein Kriegsrat den Baron Dandignies als Regimentskom­mandanten entlassen, da er seinen Rang während der Besetzung des Landes durch die Engländer und Holländer erhalten hatte. Von einem Eid, zu dem er Karl VI. wegen eines geringen Amtes im Hennegau verpflichtet war, hatte er sich entbinden lassen und lebte fortan in Frankreich. Noch während des Krieges hatte er dem Herzog von Anjou ein Angebot gemacht, in den öster­reichischen Niederlanden ein Dragonerregiment von dreizehn Kompagnien anzuwerben. Aber der Briefwechsel wurde vom Platzmajor von Mons und vom Herzog von Arenberg abgefangen, die ihn später Prié und dem Grafen Vehlen, dem Kommandanten der kaiserlichen Truppen in den Niederlanden, mitteilten. Die beiden sandten eine Abschrift davon an den Versailler Hof, worauf sie die Antwort erhielten, Kardinal Alberoni, der damals fast unumschränkt in Madrid herrschte, habe über dieses Angebot zu entschei­den. Arenberg ließ nun Dandignies überwachen und bat den französischen Kommandanten von Maubeuge, diesen und seinen Bruder verhaften zu lassen und ihre Papiere zu beschlagnahmen. Die abgefangenen Briefe sandte Prié an Königsegg; den Kommandanten von Maubeuge bat er, zu unter­suchen, ob kein kaiserlicher Offizier an dem Angebot von Dandignies An­teil hatte. Eugen sandte am 2. August 1719 alle Papiere über diese Angelegenheit an Karl VI. Er bedauerte, daß Arenberg und Vehlen zu früh eingegriffen hatten; weitere Briefe von Dandignies hätten die ganze Sache besser ge­klärt. Am 23. August schlug der Prinz dem Monarchen vor, die sechs Kom­pagnien des irischen Regimentes Devenish, bestehend aus 330 Mann, auf die belgischen Regimenter zu verteilen; er wollte Schwierigkeiten mit der Londoner Regierung vermeiden, die Beziehungen der Offiziere und Soldaten zu den Gegnern der Dynastie befürchtete 48). Zugleich mit Dandignies war auch dessen Bruder, der als Kapitän in dem wallonischen Regiment Holstein diente, in Frankreich verhaftet wor­den. Prié hatte dessen Auslieferung verlangt und auch gefordert, der Kom­mandant von Mons und ein Offizier des niederländischen Kriegsgerichtes müßten dem Verhör von Dandignies beiwohnen. Eugen riet dem Monar­47) „Le genie des habitans est laborieux et la facilité d’y reussir depande des dispositions ä faire dez que le nouveau etablissement de plan sera fait et une meilleure regle donnée au gouvernement.“ 48) Die Zahl der geflüchteten Anhänger der Stuartdynastie war in den österreichischen Niederlanden damals ziemlich hoch.

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