Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 14. (1961) - Festschrift für Gebhard Rath zum 60. Geburtstag

ERNST, August: Der Hoftag in Eisenstadt 1392

Der Hoftag in Eisenstadt 1392 81 31. März 1387 wurde Sigismund in der alten Krönungsstadt Stuhlweißen­burg zum König gekrönt * 2 3 4). Sigismund ging sofort daran, die erledigten Reichswürden und Bis­tümer mit Personen seines Vertrauens zu besetzen. Zu diesen treuen Va­sallen, die sich schon unter Karl I. Robert und unter seinem Schwieger­vater große Verdienste erworben hatten, zählten zweifelsohne die Kanizsai, ein Seitenzweig des im Ödenburger Komitat reich begüterten Geschlechtes der Osl. Der Aufstieg dieser Familie begann bereits unter dem ersten An­jou, der nach der Niederwerfung der Adelserhebung im ersten Jahrzehnt seiner Regierung Lorenz I. mit der Burg Kanizsa belehnte (1323) 2). Durch kluge Politik erhielten Johann XII. und dessen Bruder, der Bischof von Agram und Generalvikar von Slavonien, Stefan III., allenthalben umfang­reiche Schenkungen im nordwestlichen Teil des Ödenburger Komitates. Auch nach dem Tode Ludwigs des Großen waren die Kanizsai die treuesten Parteigänger der angeovinischen Thronfolgerin, mußten jedoch wie so viele andere dem kurzen Zwischenspiel Karls des Kleinen und der Gefangen­nahme der jungen Königin tatenlos Zusehen. Sie scharten sich aber sofort mit ihren Banderien um den königlichen Heerbann, als zu Beginn des Jahres 1387 der Luxemburger Sigismund zur Befreiung der Königin auszog und zur Niederwerfung des Aufstandes auf rief. Mit viel Glück bekämpften sie in den nächsten Jahren als Befehlshaber gemeinsam mit Nikolaus Gara, dem Sohne des Palatins, den Losonczy und Maróthy die Aufrührer. Diese Parteinahme sollte sich in der Folgezeit sehr günstig auswirken. Bereits am 16. Mai 1387 Unterzeichnete Sigismund für seinen Kanzler und Bischof von Erlau, Johann XIV., Magister Nikolaus VI., Obergespan von Ödenburg und Eisenburg und Stefan IV. von Kanizsa eine Schenkungsur­kunde, womit diese in den Besitz der im Ödenburger Komitat gelegenen königlichen Burg Kapuvár und den dazugehörigen Nutzungs- und Patro­natsrechten gelangten3). Nachdem die Königin befreit worden war, bestä­tigte sie am 11. Juli die Verfügung ihres königlichen Gemahls4). Am 23. August 1390 teilte das Raaber Domkapitel mit, daß es die Kanizsai in die an sie verpfändeten Festungen Lockenhaus und Sárvár und in die Märkte Csepreg und Szigeth eingeführt hat5 * *). 1387 wurde Johann XIV. Erzbischof von Gran und Primas von Ungarn 9). Mittlerweile hatten die Kanizsai ihre Positionen im Nordwesten des Komitates Ödenburg stark ausgebaut. Großes Augenmerk legten sie hiebei 1) Fessler Ignaz Aurelius — Klein Ernst, Geschichte von Ungarn, (Leipzig 1869), II 2, 229 ff. (Fessler-Klein). 2) 1323 IV 29. Fejér Georgius, Codex diplomaticus Hungáriáé ecclesiasticus ac civilis, (Budae 1834), VIII/2, 410 n. 189 (Fejér, CD). 3) Hazai okmt. V, 165 n. 130. 4) Ebenda 167 n. 132. 5) Sopronvm. okit. I, 498 n. 349. «) Gams Pius Bonifacius, Series episcoporum ecclesiae catholicae, quotquot innotuerunt a beato Petro apostolo, (Graz 1957) 2, 380. Mitteilungen, Band 14 6

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