Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 14. (1961) - Festschrift für Gebhard Rath zum 60. Geburtstag

CORNARO, Andreas: Österreich und das mexikanische Freikorps

78 Andreas Comaro von dem aus Queretaro zurückgekehrten österreichischen Gesandten offi­ziell die Kunde von der Gefangenschaft des Kaisers und seinem Befehl, den Kampf einzustellen. Lago vermittelte ein Abkommen zwischen ihnen und General Porfirio Diaz, dem Kommandanten des Belagerungsheeres, dem­zufolge ihnen ungehinderter Transport auf Kosten der republikanischen Regierung zur Küste zugesichert wurde, falls sie die Waffen niederlegten und sich an den Kampfhandlungen nicht mehr beteiligten. Als sich die Österreicher daraufhin in ihre Kaserne zurückzogen und die weiße Fahne hißten, lösten sich die übrigen mexikanischen Besatzungstruppen schlag­artig auf und Diaz konnte am 21. Mai ungehindert in die Hauptstadt ein­ziehen. Da den Österreichern von ihm vorläufig nur der halbe mexikani­sche Tagessold als Unterhalt verabreicht wurde, mußte Lago sie aus den Mitteln der Gesandtschaft unterstützen 63). Als Anfang Juli die erste sichere Kunde vom Ende Maximilians in Wien einlangte, befahl Franz Joseph dem Linienschiffskapitän Groller, dem Kommandanten des seit Herbst 1866 in den mexikanischen Gewässern stationierten österreichischen Kriegsschiffes „Kaiserin Elisabeth“, sich nach Veracruz zu begeben, um die Österreicher aufzunehmen64). Damit hatte es zunächst freilich keine Eile. Denn da Präsident Juarez das von Diaz abgeschlossene Abkommen zunächst nicht bestätigte, wurden die Österreicher fast den ganzen Juli in Puebla zurückgehalten. Lago, der nun fürchtete, von Juarez als Geisel für eventuelle Entschädigungsforderungen gegenüber der österreichischen Monarchie benutzt zu werden, verließ am 19. Juli mit seinem Attaché Schmit von Tavera heimlich Mexiko65). Die Vertretung der österreichischen Interessen und Abwicklung der Rück­führung der Legionäre hatte er dem hanseatischen Generalkonsulat über­tragen66). Anfang August kamen die Österreicher aus Puebla endlich in Veracruz an und wurden auf der „Elisabeth“ nach New Orleans gebracht. Die weitere Rückreise mit Küstendampfer nach New York und von dort nach Bremen organisierte der Gesandte Wydenbruck, der für diese Route Fahrpreisermäßigungen für den Transport erlangte67). Dabei scheint er aber die Sparsamkeit etwas zu weit getrieben zu haben, denn der von dem Transport zur Überfahrt nach Europa benutzte Dampfer war so alters­schwach, daß auf der Reise eines der Schaufelräder brach und beim Eintritt eines Sturmes die Fahrt wahrscheinlich mit einer Katastrophe geendet hätte 68). Mit der Ankunft dieses Transportes in Prag war übrigens die Heim­es) Lago an Beust, 25. 6. 1867. HHStA, PA 34, 5. 64) Telegramm Franz Josephs aus Ischl, 4. 7. 1867. HHStA, PA 33, 22. 65) Siehe Schmit von Tavera, a. a. 0., S. 168 ff. 66) Berichte des Generalkonsulates über die österreichischen Legionäre und die für sie aufgewendeten Geldmittel. 29. 7. u. 9. 8. 1867. HHStA, PA 34, 5. 67) Wydenbruck an Beust, 7. 8. 1867. HHStA, PA 33, 22. «8) J. Uliczny, a. a. O., S. 212 f.

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